8. April 2018. Da sitzen wir am Flughafen mit unseren Boardkarten in der Hand und stoßen ein letztes Mal mit einem Ottakringer an. Nach der ganzen Aufregung, Vorbereitung, den vielen Abschieden ist es endlich soweit. Es geht los. Und wir können es noch gar nicht glauben.
Sightseeing mit Atemmasken
Nach drei Air-India-Currys (!) und ein paar Bollywoodfilmen sind wir in Kathmandu gelandet. Das Erste was uns auf der "Taxifahrt" vom Flughafen in die Stadt auffällt ist das Verkehrschaos. Es fällt uns echt schwer, euch das in Worten zu beschreiben. Es fühlt sich an, als würden alle 3 Millionen Nepalesen die in Kathmandu leben, gleichzeitig auf den staubigen und extrem holprigen Straßen per Auto, Moped, Fahrradrikscha oder zu Fuß unterwegs sein UND jeder hupt ganz frisch und fröhlich, damit er ja keinen über den Haufen fährt oder der Vordermann Platz macht. Eine Art Verkehrskommunismus: Dank der überfüllten und holprigen Straßen sind alle gleich schnell 😂.
Die "Taxifahrt" selbst war übrigens gar kein echtes Taxi, sonder mehr eine Butterbrotfahrt. Gleich beim Einsteigen haben wir es schonmal komisch gefunden, dass neben dem Fahrer ein zweiter Typ vorne mitfuhr. Wir hintendrin. Und dann ging die Dauerwerbesendung los. Die ganzen 40 Minuten wollte er uns irgendwelche organisierten Trekkingtouren und Guides aufschwatzen. Blöd nur, dass wir ihm auch noch die Handynummer gegeben haben, sollten wir doch etwas über ihn buchen. Jetzt ging das Ganze auch noch nach der Fahrt per Whatsapp weiter. Das klang zB so: "Many people die in the mountains, you need a guide! Come to my office tomorrow and we talk". Nachdem wir die Nachrichten drei Tage ignoriert haben, hat er aufgegeben. Das positive an der Geschichte: Für die Fahrt haben wir ganze 100 Rupien (= 80 Cent) im Vergleich zu einem offiziellen Taxi eingespart, uff 😂
Nach fünf Tagen Sightseeing und Shoppen für die Wanderung haben wir das Straßenchaos durchblickt. Dürfen wir euch kurz in die Verkehrsregeln für Fußgänger in Kathmandu einführen?
Regel Nr. 1: Beobachte alle Verkehrsteilnehmer (Auto, Moped, Rikscha, Kühe - ja, auch die trauten sich auf Kathmandus Straßen) hinter und neben dir! Ganz wichtig: den Seitenspiegeln ausweichen.
Regel Nr. 2: Staubige Sandpiste oder hier auch Straße genannt im Blick behalten! Schlaglöcher, Müll, Kuhfladen, Warengut ausweichen. Keine Flip-Flops anziehen. Die hatten wir nur am ersten Tag an 😉
Regel Nr. 3: Bei Straßenüberquerung einfach drauf losgehen. Zebrastreifen verzieren nur die Straße.
Regel Nr. 4: In keine lose herunterhängenden Stromkabel laufen (einfach um auf Nummer sicher zu gehen).
Beherrscht man die Regeln 1-4, muss man nur noch die Orientierung auf die Reihe kriegen. Das ist nicht ganz leicht, weil sich ein Kramerladen an den nächsten reiht. Problem dabei: Alle sehen in unseren Augen komplett gleich aus, alle verkaufen das gleiche: Mini-Chipstüten, Kekse, einzelne Klopapierrollen, gefälschte Tempo-Taschentücher. Letztere sind übrigens nicht "durchschnupfsicher" sondern dünner als das allerdünnste Klopapier das man sich vorstellen kann. (Das war lästig, ich hatte nämlich Schnupfen) Aber diese Geschäfte entpuppen sich auch immer wieder als Lebensretter, weil sie meist die kleinen unscheinbaren Dinge verkaufen, die das Leben in einer asiatischen Großstadt so sehr erleichtern. Im Fall von Kathmandu sind das beispielsweise Atemmasken. Ziehen permanent zig Mopeds und Autos gleichzeitig auf einer ca. 3 Meter breiten staubigen Piste links und recht an dir vorbei, ist man schon froh wenn man von den ganzen Abgasen und dem ganzen Staub nicht vollkommen high herumtrudelt.
Im Touriviertel Thamel dreht sich alles um Outdoor- und Trekkingausrüstung. War super für uns, denn wir brauchten noch Wanderstöcke, lange Unterwäsche und ein paar andere Dinge für unsere Wanderung. Von North Face über Mammut bis hin zu Jack Wolfskin findet man hier alles, was das Trekkerherz begehrt. Alles Fake-Ware versteht sich. Sei es bei Trinkflaschen oder Wanderstöcken, es gibt immer zwei Qualitäten: "Nepal Quality" und "Original Quality". Da mussten wir schon schmunzeln, als uns die Verkäuferin zwei Plastik-Trinkflaschen gezeigt hat und uns auf die unterschiedliche Qualität aufmerksam gemacht hat. Als sie uns dann an der Trinkflasche riechen hat lassen und erwähnte, kein heißes Wasser in die Flasche zu füllen, wussten wir wieso die Nepal Quality doch günstiger war. Wir haben uns dann doch für die nicht-stinke-Trinkflasche entschieden 😉. Bis auf das, dass sich die Wanderstöcke nach einigen Einsatztagen von selbst verstellten, können wir aber nichts negatives über die Fakeprodukte sagen.
Hat man sich mal an das irre Gewusel auf der Straße und in den vielen Geschäften am Straßenrand gewöhnt, staunt man über die vielen Stromleitungen und die teilweise losen Kabeln, die herunterhängen. Ich bin ja Gottseidank nicht so groß, dass ich unabsichtlich so ein Kabel streife. Roland muss da schon mehr aufpassen.
Free Walking Tour mit Shiva
Als wir durch die Straßen gegangen sind, hatten wir viele Fragezeichen im Kopf. Was ist das für ein Tempel? Sind das jetzt Hindus oder Buddhisten? Daher haben wir uns für eine Free Walking Tour, also eine Stadtführung gegen freiwillige Spende entschieden (an dieser Stelle danke an unseren Zwischenmieter Sven für den Tipp!). Shiva war unser Guide. Wir haben ihn per Facebook kontaktiert und am nächsten Tag gings schon los mit unserer Tour. Vier Stunden sind wir durch die Stadt marschiert und durften etwas mehr über die Lebensweise der Nepalesen erfahren.
„Nepalesische Pancakes. Sie werden aus Kichererbsenmehl hergestellt. Wer möchte, kann sie gerne probieren. Einer kostet 20 Rupien“, hat uns Shiva erklärt. Klar sind wir da dabei, Mittagessen ist ausgefallen und wir waren superhungrig! Für umgerechnet 16 Cent haben wir uns die Pancakes schmecken lassen. Ein paar Meter weiter dann der nächste Streetfood-Geheimtipp von Shiva: Plain Lassi. Eine Traube von Nepalis wartete bereits ungeduldig vor einem kleinen Stand, um das Joghurtgetränk bestellen zu können. Viele Locals vor einem Stand heißt meist das muss gut, günstig und das allerwichtigste, Magen-Darm verträglich sein! „Two big plain lassis“ hat Roland dem Inder im Verkaufsstand zugerufen. Oh ja die Nepali wissen was gut schmeckt. Das Lassi ist so lecker, dass wir in den kommenden Tagen einen 25-minütigen Spaziergang durch das Verkehrschaos in Kauf genommen haben, nur um diesen Stand wiederzufinden.
Natürlich heißt das Bier hier "Everest". Genauso wie jedes zweite Hostel, fast jeder Touranbieter oder Outdoor Laden. Hört sich halt einfach cool an. Die Nepalesen wissen wie sie ihren berühmten Berg vermarkten.
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Das Everest passte perfekt zu den scharfen Chilli-Momos |
Streetlife in Kathmandu
Zum Schluss noch ein paar Fotos, damit ihr einen Einblick in das Leben und Treiben in der Stadt bekommt.
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Auch Kühe findet man mitten in der Stadt |
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Eine Rasur am Straßenrand gefällig? |
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Ein "contactor" schreit aus einem lokalen Kleinbus, hier Microbus genannt, die Stationen. |
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