Auf der Suche nach Nemo

Donnerstag, 13. September 2018

Der Tauchschein stand weit vorne auf der Bucket List unserer Weltreise. Wo genau wir ihn machen, wussten wir aber nicht. Zufällig sind wir bei unserer Recherche auf die Insel Bunaken in Indonesien gestoßen. Eine traumhafte Unterwasserwelt soll es dort geben. Dann wär doch jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Tauchkurs, oder? Gesagt getan. Flüge gecheckt, Unterkunft organisiert, Tauchkurs gebucht.



Nach unserem kurzen Städtetrip in Singapur gehts ab ins Tauchparadies. Beim Landeanflug auf Manado werfen wir einen ersten Blick auf die Bunaken. Diese Insel in Nordsulawesi zählt angeblich zu einem der besten Tauchspots der Welt. Das Besondere an den Bunaken: Ungefähr einhundert Meter vom Strand entfernt befindet sich Unterwasser eine senkrechte Steilwand, die voller bunter Korallen und Fische ist. Wir können es kaum erwarten, dieses Unterwasserparadies selbst zu sehen. Neugierig klebe ich an der Fensterscheibe, ob ich nicht doch etwas vom Riff vom Flugzeug aus erkennen kann. Leider Fehlanzeige. Wir müssen uns noch zwei Tage gedulden, bis unser Tauchkurs beginnt.


Eine Nacht schlafen wir noch in Manado auf der Hauptinsel Sulawesi. Am nächsten Tag geht's frühmorgens mit einem Bootstaxi zum Panorama Diving Resort, unserer Unterkunft auf den Bunaken. Auf der knapp einstündigen Fahrt werfen wir immer wieder einen Blick in das glasklare Wasser, um Fische und Korallen zu erspähen. Wir können nicht wirklich was ausmachen. Erst kurz bevor wir auf den Bunaken ankommen, erahnen wir wo sich die  Unterwasser-Steilwand befinden könnte. Ganz dunkel, wie ein Abgrund fällt sie Richtung Meeresgrund. "Wuaaah, morgen gehts endlich los!" schreit Roland zu mir herüber, um den lauten Motor zu übertönen. Wir werden immer langsamer und steuern den Strand an. Vorsichtig manövriert der "Taxler" das Boot im seichten Wasser durch die Korallen. "Jetzt müssen wir hier sein, ich kann ein paar Bungalows erkennen". Ein Kribbeln überkommt mich, wenn ich daran denke, dass das unser Zuhause für die nächsten sieben Tage ist. Beide grinsen wir uns an.
Der Bootsfahrer kann nicht bis zum Ufer fahren, daher waten wir die letzten Meter mit unseren Backpacks durch das grün schillernde Meer. Was für eine coole Anreise ist das bitte, einfach bei einem Traumstrand vom Boot runter hüpfen und barfuß zur sagen wir mal "Rezeption" hinspazieren 😁Okay Paradies, wir wären dann hier!



Um zu unserem Bungalow zu kommen, müssen wir einige Stufen raufgehen. Die Nepal-Kondition ist offensichtlich nicht mehr ganz da. Etwas außer Atem kommen wir bei unserem Bungalow an und lassen unsere schweren Rucksäcke fallen. Roland macht gleich ein Foto, bevor wir unser Zimmer "beziehen". Also bevor wir alles aus den Backpacks raus räumen und (ich) Chaos verbreite 😜Bei einer Woche kann man es sich schließlich gemütlich machen und sich so richtig "einrichten".

Beide haben wir ordentlich Hunger, daher machen wir uns gleich auf den Weg zum Restaurant der Anlage. Auf den Bunaken gibt es nur "All Inclusive"-Unterkünfte, da es keine Restaurants auf der Insel gibt. Aber nichts mit Buffett-Schlammschlacht wie man es von so manchen Pauschalreisen kennt, sondern alle Gäste essen gemeinsam an einem Tisch. Gegessen wird was auf den Tisch kommt. Und das ist extrem lecker, jeden Tag gibt es frischen Fisch. Die familiäre Stimmung und die entspannte Atmosphäre machen es zu einer Unterkunft genau nach unserem Geschmack. Juhuuuu!

Pauken und tauchen. Wir machen den Tauchschein!

"Hier habt ihr mal eure Kursbücher", sagt Sven und schiebt uns zwei englische Bücher rüber als wir nach dem Mittagessen beim Kaffee sitzen. Der gebürtige Deutsche und seine Frau führen das Tauchresort auf den Bunaken seit einigen Jahren. Beim Reisen in den neunziger Jahren ist Sven im Tauchmekka Indonesien hängengeblieben - können wir gut nachvollziehen. Inzwischen hat er Deutschland ganz hinter sich gelassen und lebt auf dieser kleinen Insel mit seiner indonesischen Frau und seinen zwei entzückenden Kindern. Dass ein Deutscher das Tauchresort führt, hat sich in der Heimat wohl schon herumgesprochen. Wir sind nicht die einzigen deutschsprachigen hier 😉

"Erol, euer Tauchguide, kommt am Nachmittag mal vorbei. Mit ihm könnt ihr alles weitere besprechen", erklärt uns Sven mit seiner entspannten Stimme. Er ist die Ruhe in Person und wir finden es etwas schade, dass wir den Tauchkurs nicht bei ihm (auf Deutsch) machen können. Zuviel los, deswegen hilft ihm ein Indonesier bei den Tauchkursen aus.

Am Nachmittag lernen wir schließlich unseren indonesischen Tauchlehrer kennen. "Hello, my Name is Erol. I'm your diving instructor", stellt sich der ca. 1,50 m große Mann mit seinem runden Gesicht voller Sommersprossen vor. Er wirkt super sympathisch und lustig. Erol erklärt uns kurz den Ablauf des Kurses: Die nächsten drei Tage sind wir mit praktischen Unterwasser-Übungen, "Fundives" und Theorielernen beschäftigt. Jeden Tag machen wir zwei Tauchgänge. Einen zum Üben von bestimmten Unterwasser-Fertigkeiten, beim zweiten Tauchgang sehen wir uns nur die Unterwasserwelt an, also keine Übungen. Das sind die "Fundives". Am Ende gibt es eine Multiple-Choice-Prüfung. Bestehen wir, erhalten wir unsere PADI Open Water Diver-Lizenz. Für alle die sich noch nie mit Tauchen befasst haben: das ist der Tauchschein.

Roland und ich sind seine einzigen Schüler und wir machen uns auch gleich an die Bücher ran und gehen die ersten Kapitel gemeinsam mit Erol durch. Etwas unstrukturiert schneidet er einzelne Themen an, blättert im Sekundentakt eine Seite nach der nächsten im Kursbuch durch. Roland und ich sind etwas überfordert, Erol quasselt etwas von BCD und buoyancy...keine Ahnung was das heißen soll.

Erol ist im Stress und er verabschiedet sich von uns nach knapp einer Stunde. Als "Hausaufgabe" und Vorbereitung für unseren morgigen ersten Tauchgang sollen wir knapp einhundert (!) Seiten lesen. Ich schaue auf die Uhr. Es ist fast 17:00 Uhr. "Na der fordert aber viel von uns!" Wir sind es nicht mehr gewöhnt, dass jemand so viel Hirnschmalz von uns verlangt. "Naja, schauen wir halt mal wie weit wir kommen". Mit einem Kaffee setzen wir uns auf unseren Balkon und schnuppern mal in die Bücher rein. Bei dieser Aussicht lernt es sich doch ganz entspannt.


Natürlich schaffen wir es nicht alles zu lesen. "Wird schon nicht so schlimm sein, schließlich sind wir hier in Indonesien auf Urlaub. Das ist mehr Learning-by-doing", meint Roland noch zu mir beim Frühstück. Erol holt uns ab und wir fahren auch gleich zu unserem ersten Tauchspot für die Unterwasserübungen. Wir merken recht schnell, dass Erol davon ausgeht, wir hätten alles gelesen. "This is your BCD to control your buoyancy, and here your computer to check the air. Safety Stop with 70 bar for at least three minutes". Im Schnellflug und komplett unstrukturiert geht er das ganze Equipment mit uns durch, die ganzen Fachbegriffe verwirren uns. "Could you please explain it again?" fragen wir ihn mit verunsicherter Stimme, als er bei einem schwarzen Schlauch Luft auslässt (das schaut sehr wichtig aus für den Tauchgang). "Oh, your english is soooo bad" ist seine Antwort und er grinst dabei. Eher widerwillig und genervt erklärt er es uns nochmal. Roland und ich sind etwas verwundert über seine Reaktion. Naja, ist wahrscheinlich nicht das erste Mal, dass er das jemandem erklärt. (Später stellt sich raus, dass Geduld NICHT seine Stärke ist)

Wir quetschen uns in die engen Neoprenanzüge und legen das schwere Tauchequipment an. Erol kontrolliert nochmal, ob wir den Sauerstoff richtig angeschlossen haben und ob das Mundstück funktioniert. Bevor es ab ins Wasser geht, erklärt uns Erol nochmal, was wir Unterwasser üben. Wir tauchen ab. Ich habe etwas Schwierigkeiten mit der Luft, habe das Gefühl nicht ausreichend Sauerstoff zu bekommen. Ich taumle 30 Zentimeter Unterwasser herum und atme wie blöde. Roland sitzt derweil schon ruhig am Meeresboden, so als wär es das Natürlichste der Welt aus einer Sauerstoffflasche zu atmen. Letztendlich beruhige ich mich doch etwas und schaffe es schließlich zum Meeresboden zu sinken, bin aber noch immer etwas unruhig und mag gar nicht nach oben schauen, da sich sonst Panik breit macht. Auf ca. drei Meter Tiefe sitzen wir auf Knien am Meeresboden und machen Übungen wie etwa den Atemregler wechseln, Wasser aus der Taucherbrille entfernen, Druckausgleich üben und noch ein paar andere Übungen. Erol zeigt es uns vor, und einer nach dem anderen machen wir es ihm (Unterwasser) nach. Etwas strapazieren wir Erols Geduld bei einer Übung, aber ansonsten haut alles so halbwegs hin. Nur an die Sauerstoffatmung muss ich mich noch gewöhnen.



"Are we gonna see some turtles?"

Nach den Unterwasserübungen gehts ab zu einem anderen Tauchspot, unser erster "Fundive" steht bereits an. So bezeichnet man alle Tauchgänge, wo nicht bestimmte Unterwasserskills geübt oder etwas besonderes erkundet wird. Mit großen Augen fragen wir Erol, ob wir auch Schildkröten sehen werden. Die Bunaken sind bekannt dafür. "Yes, there are a lot" meint er. Na dann los.
Mit einer Rückwärtsrolle lassen wir uns ins 30 Grad warme Wasser fallen. An der Oberfläche gehen wir nochmal gemeinsam eine Checkliste durch, bevor wir abtauchen. Unterwasser erwartet uns ein andere Welt. Wir sind direkt neben der Steilwand, gut fünfzig Meter geht sie in die Tiefe und es wimmelt nur so von Meerestieren. Wir sind geflasht von den vielen bunten Fischen, fühlen uns wie in einem Aquarium.
Wir tauchen ein paar Meter, und dann zeigt Erol auf etwas in der Korallenwand. Eine gut getarnte Schildkröte! Und das ist nicht die einzige, wir sehen noch einige mehr bei unserem ersten richtigen Tauchgang.
Die Schildkröten schlafen nämlich in der Steilwand zwischen den Korallen. Wir beobachten, wie sie ganz langsam ihren Schlafplatz verlassen und Richtung Wasseroberfläche gleiten, um Luft zu schnappen. Was für ein erster Tauchgang - Wahnsinn!



Umzingelt von den schönsten Aquariumfischen tauchen wir die Steilwand entlang. Noch etwas unbeholfen bewegen wir uns fort, sinken recht schnell ab. Dann zeigt Erol auf etwas. Wir können nix erkennen, verstehen nicht was er von uns will. Ganz energisch deutet er noch einmal auf die Koralle hin. Wir schwimmen so nahe ran, wie es unser Tauch-Können erlaubt. Es ist sehr schwer, kontrolliert ab- und aufzutauchen als Anfänger. Dann glauben wir erkannt zu haben, was er uns zeigen möchte: Eine winzig kleine, perfekt getarnte Schnecke. What? "Was kommt uns der jetzt mit dieser lahmen Schnecke, wenn neben uns die schönsten Fische und Schildkröten vorbeischwimmen? Etwas verwirrt nicken wir und machen das o-Symbol mit der Hand, was Unterwasser soviel wie "Okay" bedeutet.

Wer findet die Schnecke?
Was ist bitte an diesen Schnecken so toll? Immer wieder zeigt er uns diese kleinen Dinger. Ganz brav geben wir ihm zu verstehen, dass wir das Tierchen gesehen haben. Machen widerwillig Fotos. Die größeren und lebendigeren Dinge wie Schildkröten, Clownfische & Co interessieren uns als Tauchanfänger natürlich vieeeel mehr. "Was der nur mit seinen Schnecken hat?" denken wir uns...Er wird nicht der letzte Schnecken-Fan sein, den wir auf den Bunaken kennen lernen.


Von Prachtsternschnecken und Drückerfischen

Nach dem ersten Tauchgang heißt es erst einmal Biologie-Nachhilfe nehmen. Unser Wissen über Korallenfische beschränkt sich auf Disney's Nemo und Dori aus dem Film. Wir haben keine Ahnung, was wir da eigentlich für Fische gesehen haben. Zurück in der Unterkunft, schnappen wir uns also gleich das Lexikon mit allen Korallenfischen und Korallenarten aus dem Bücherregal. Als angehender Tauchprofi macht man das so. Nach dem Tauchgang wird das Tierlexikon aufgeschlagen und gesucht was man gesehen hat. Als Taucher führt man auch ein Logbuch, wo man die Eckdaten seiner Tauchgänge einträgt: Tauchdauer, maximale Tiefe, Sauerstoffverbrauch und welche Meeresbewohner man gesehen hat.

Wir blättern gerade durch das Lexikon, als nach und nach auch die anderen Gäste von den Tauchgängen zurück kommen. Beim gemeinsamen Mittagessen unterhalten wir uns mit den langjährigen Tauchern, wo sie schon überall auf der Welt tauchen waren, wie sie das mit dem Druckausgleich machen etc. Auch hier fällt immer wieder das Wort Schnecken. Roland und ich sehen uns verwirrt an. Sind wir auf der Schnecken-Insel gelandet oder was?

Später am Nachmittag blättere ich wieder ein Buch über Riff-Fische durch. Ich schlage eine Seite auf, und beginne laut zu lachen. Prachtsternschnecken! Sie sehen aus wie Nacktschnecken die sich für den Fasching verkleidet haben und plüschige Fühler tragen. Oder wie wenn man auf LSD ist und sich Schnecken anschaut 😂 Im Vergleich dazu sind unsere guten braunen Nacktschnecken echte Langweiler. Bei diesen bunten Mini-Monstern verstehen wir jetzt etwas besser, dass viele Taucher ein Faible für sie entwickeln.



Unter Wasser

Die nächsten zwei Tage verbringen wir mit Tauchen, Essen und unser Skriptum lesen. Sonst nix. Bis spätabends lesen wir in unseren Tauchbüchern, damit wir den Stoff bis zur Prüfung durchbringen. Am nächsten Tag quetschen wir uns wieder in die engen Neoprenanzüge, machen praktische Übungen mit Erol wie beim ersten Tauchgang. Wir üben nochmal das Reinigen der Maske Unterwasser, wie wir uns gegenseitig bei Krämpfen helfen können, wie wir unsere BCDs (Westen) an der Oberfläche an- und ausziehen usw. Beim zweiten Tauchgang des Tages heißt es dann einfach nur die Unterwasserwelt genießen. Wir entdecken jeden Tag neue Meeresbewohner, die wir bisher noch nicht gesehen haben.
Die Tauchgänge dauern meist knapp eine Stunde, kommt drauf an wieviel Sauerstoff man verbraucht. Trotz der fast 30 Grad Wassertemperatur kühlt man unter Wasser ziemlich aus, und ich friere sogar trotz Neoprenanzug.

"Alles OK" heißt dieses Handzeichen unter Wasser. Daumen hoch würde nämlich "auftauchen" bedeuten.
Bei Moränen heißt es aufpassen, diese können auch mal zuschnappen wenn man ihnen zu Nahe kommt.
Wir haben ihn gefunden - Nemo. Es gibt richtige "Nemo-Nester", wo sich ganz viele von ihnen tummeln 💛
Als Tauchanfänger ist man noch etwas "blind" Unterwasser und wir schwimmen an vielen Fischen und natürlich Schnecken vorbei, weil wir sie einfach übersehen 😂Das rosafarbene ist übrigens ein Steinfisch.


Eine wunderschöne schwarz-gelbe Prachtschnecke

Stille.

Unterwasser herrscht eine total beruhigende, fast meditative Stimmung. Es herrscht Stille. Man hört nichts, außer seinen eigenen Atem und wie die Bläschen bei jeder Ausatmung aus dem Regulator (Mundstück) blubbern. Alle Aufmerksamkeit gilt den bunten Meeresbewohnern. Es ist wie Abtauchen in eine "Ruhe-Blase".

Ruhig Atmen.

Eine gleichmäßige und ruhige Atmung ist das A und O beim Tauchen. Würde man zu hektisch oder auch zu tief einatmen, hat man das Gefühl nicht ausreichend Luft zu bekommen. Zu Beginn hatte ich echt meine Probleme damit und bin etwas panisch immer wieder aufgetaucht nach ein paar Metern unter Wasser. Beim Mundstück hab ich mich richtig "festgebissen", damit es mir ja nicht rausfällt  (was seeeehr unwahrscheinlich ist) aber ich hatte einfach ein etwas ungutes Gefühl. Tja, was soll ich sagen. Ich hab so fest zugebissen, dass ich während des Tauchgangs ein Plastikteilchen vom Mundstück abgebissen hab und dieses im Mund hatte 😂Zum Glück hat man immer ein Reserve-Mundstück dabei, mit dem bin ich dann weitergetaucht. Roland war wohl in seinem früheren Leben ein Fisch, ihm hat die Atmung unter Wasser gar nix ausgemacht.

Langsame Bewegungen.

Im Wasser sollte man nur leichte, langsame Bewegungen mit seinen Flossen machen. Würde man sich schnell und hektisch bewegen, hätte man erstens das Gefühl nicht ausreichend Luft zu bekommen. Zweitens wäre auch der Sauerstoffverbrauch höher. Der Tauchgang ist dann natürlich auch schneller vorbei, wenn die Luft früher ausgeht. Logisch, oder?
Mit jedem Tauchgang bewegen wir uns eleganter und effizienter. In aller Ruhe, mit langsamen Bewegungen und mit einer gleichmäßigen Atmung lassen wir uns die Korallenwand entlang treiben und genießen das bunte Leben unter Wasser. Es ist wie eine andere Welt hier.


Schweben.

Das Auf- und Abtauchen regelt man beim Tauchen mit der BCD-Weste. In diese kann man über die Sauerstoffflasche Luft reinpumpen und auslassen. Ziel ist es, eine neutrale Tarierung, also eine Art Schwebezustand zu erreichen. Ohne eine Bewegung zu machen soll man weder absinken noch auftauchen. Einfach schwerelos, wie ein Astronaut soll man beim Tauchen sein.
Am Anfang ist dieses Ausbalancieren äußerst schwierig. Wir lassen etwas Luft aus unserer BCD-Weste aus und sinken wie eine schwerer Stein Richtung Meeresgrund, vorbei am Tauchlehrer. Das war dann wohl zu viel. Also wieder Luft reinpumpen, aber nur einen kleinen Stoß. Sonst schießt man wie eine Boje an die Wasseroberfläche, was sehr gefährlich ist beim Tauchen. Dieses Austarieren erfordert etwas Übung und Fingerspitzengefühl. Erfahrene Taucher beherrschen das aus dem ff und steuern das Auf- und Ab teilweise nur über die Atmung. Für uns ist es noch etwas schwieriger.


Prüfungstag unter Palmen

Am dritten Tag nach dem Tauchgang schreiben wir unsere Prüfung. Fünfzig Fragen rund um Tauchausrüstung, Handzeichen, Sauerstoffverbrauch und physikalische Grundlagen müssen wir beantworten, damit wir unseren PADI Open Water Diver bekommen. 
Wir sitzen im Restaurant von unserem Tauchlehrer, ich schaue direkt auf den Strand. Es ist gerade Mittag und das Meer strahlt mir türkisblau entgegen. Roland und ich haben wohl schonmal in einer unangenehmeren Atmosphäre eine Prüfung geschrieben.

Etwas nervös sind wir schon, als wir mit dem Multiple-Choice-Test beginnen. "You have 50 minutes. If you need more time, just let me know" sagt Erol zu uns beiden, bevor er es sich am Strand gemütlich macht. Ok, alles ganz easy also. Wir machen uns gleich an die Fragen ran. Wie der gesamte Kurs ist auch die Prüfung auf Englisch. Am Anfang wollten wir den Kurs lieber auf Deutsch machen, jetzt sind wir froh, dass wir alle Tauch-Fachbegriffe auf Englisch kennen. Machts dann auch leichter wenn wir in anderen Ländern tauchen. Bei ein paar Fragen wo wir uns unsicher sind, flüstern Roland und ich uns einander zu, aber das meiste ist relativ leicht. Wir haben uns ja schließlich brav die Kursbücher im Schnelldurchlauf reingezogen 😉


Das letzte Kreuz ist gemacht und wir rufen Erol. Gemeinsam mit ihm gehen wir alle Fragen durch und - Trommelwirbel - wir haben bestanden 😁😁😁Erol streckt uns seine Hand entgegen und gratuliert uns. Wir freuen uns riesigst, jetzt sind wir offiziell Taucher. Mit dem Open Water Diver - Tauchschein dürfen wir weltweit bis auf max. 18 Meter Tiefe tauchen.


Wir freuen uns total auf die ganzen Tauchgänge die wir hier in Indonesien und natürlich auf unserer Weltreise noch machen werden! Am Abend sehen wir uns den wahnsinnigen Sonnenuntergang am Strand an und sind froh, mal nicht in die Kursbücher schauen zu müssen. Mit einem Bintang-Bier stoßen wir auf unsere bestandene Prüfung an. 



Happy Dive Face

So glücklich schauen wir nach den Tauchgängen aus. Die Druckstellen von den Taucherbrillen vergehen übrigens erst nach ein paar Stunden. Schaut immer sehr lustig aus wenn alle Gäste beim Mittagessen mit zerdrückten Gesichtern sitzen.


Nein, keiner hat Rolands Nasenwurzel mit einem Tacker bearbeitet. Das war die Taucherbrille.
Unterwasser schaut es auch recht witzig aus, wenn man Selfies macht. (Roland hatte keine Lippen-Schönheits-OP)




Wracktauchen

Den Tauchkurs haben wir geschafft und ein paar Tage auf den Bunaken sind zum Glück noch übrig. Also hängen wir noch ein paar Tauchgänge dran. Im Tauchresort fahren jeden Tag zwei Boote zu unterschiedlichen Tauchspots. Voller Freude fragen wir Sven, welche Spots morgen am Plan stehen. "Wenn ihr wollt könnt ihr zum Wrack mitkommen, die anderen Tauchspots kennen die anderen Gäste schon." Ich sehe schon Rolands Augen funkeln. Seitdem wir mit dem Tauchschein angefangen haben, hat er schon oft von einem Wracktauchgang geschwärmt. Normalerweise braucht man für Wracktauchgänge bereits mehr Erfahrung, also mehr Tauchgänge. "Das Heck des Schiffes liegt auf 28 Meter Tiefe. Zu sehen gibts dort viel Kleingetier, wie Schnecken und Tintenfische". "Wir haben erst gestern unseren Open Water Diver gemacht, also wir dürfen nur auf 18 Meter Tiefe gehen", sagt Roland etwas enttäuscht, er hat sich schon beim Wrack entlangtauchen gesehen. "Ach", meint Sven, "wenn ich als Diving Instructor mit euch runtergeh, passt das schon. Kein Problem". Ich wollte trotzdem nicht so tief gehen, hatte schließlich gerade mal den Tauchschein gemacht und fühlte mich noch nicht so sicher. Roland war natürlich dabei:

Nächsten Tag um 8:00 Uhr ging es raus zum Wrack. Regina wartete am Boot, sie fühlte sich noch zu "neu" im Tauchen. Ich ließ mir diese Gelegenheit nicht entgehen und tauche mit Sven alleine. Bevor es los geht zeigt er mir noch ein paar Tricks wie ich unten weniger Luft verbrauche. Je tiefer man taucht, desto mehr Luft verbraucht man.

Vor jedem Tauchgang gibt es ein kurzes Briefing: Was gibt es zu sehen? Welche Fische, Korallen etc. Gibt es eine Strömung? Wie sieht die Route aus? Wie lange bleibt man unten, usw?
Dann gehts auch gleich mit einer Rückwärtsrolle ins Wasser und wir tauchen ab. Mit einer Hilfsleine sinken wir fast senkrecht runter Richtung "Molas Shipwreck". Es handelt sich dabei um einen Frachter der Ende des zweiten Weltkriegs hier sank. Die Sicht ist deutlich schlechter und trüber als bei unseren vorherigen Tauchgängen. Wir gehen relativ rasch runter und auf einmal kann ich eine Silhouette ausmachen. Eine sehr mystische Stimmung. Das Wrack wird mit jedem Meter deutlicher sichtbar. Ziemlich viele Fische tummeln sich drum herum. Einfach faszinierend! Von der Tiefe (knapp 30 Meter) merke ich gar nix, es fühlte sich genauso an wie unsere bisherigen Tauchgänge auf 18 Meter. Nur meine Sauerstoffflasche wird viel schneller leer. Bereits nach 40 Minuten geht Sven mit mir wieder rauf. Wieder oben angekommen hat Sven noch doppelt soviel Luft im Tank wie ich.



"War die Batterie deiner GoPro aus?" fragt mich Sven als wir wieder an Bord sind. Er spielt damit auf die Schnecke an, die wir unten beim Wrack gesehen haben. Ich hab mir nicht viel dabei gedacht, wieder eine Schnecke halt, und hab mal kein Foto von ihr gemacht. "Das war eine ganz seltene Schnecke. Ihre Fühler sehen aus wie Püschel und die können sich an die Farbe der Korallen anpassen. Echt ein tolles Tier. "Ähmm ja, Akku war leider aus" lüg ich und kann mir ein Grinsen kaum verkneifen.
"Ich bin ja so der Schnecken-Fanatiker, ich liebe diese Dinger", schwärmt Sven vor sich hin. Ich brauch nur zu Regina rüberzusehen und weiß ganz genau was sie denkt. Wir grinsen uns gegenseitig an. Wieder so ein Schneckenliebhaber. Wir bleiben mal noch bei den Schildkröten und Clownfischen....

Wer jetzt immer noch nicht genug hat, den nehmen wir in einem kurzen Video mit in die Unterwasserwelt der wunderschönen Bunaken - viel Spaß beim Ansehen! (Schnecken sind keine drauf)



Nach einer Woche verabschieden wir uns von den Bunaken. Das Unterwasser-Abenteuer ist noch nicht zu Ende. Zwar gehen wir wieder etwas "Back to the Basics" und sind mit einem Schnorchel unterwegs, dafür aber mit dem größten Fisch der Welt an unserer Seite. Mehr davon im nächsten Blogbeitrag.



0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Blog Archive

Powered by Blogger.
Back to Top