Australien Highlights II

Dienstag, 20. November 2018


Weiter geht's mit den Highlights unseres Roadtrips die Ostküste Australiens entlang. Vorbei an lockeren Hippie-Surfspots geht es zu den Städten Sydney und Melbourne, richtig coole Metropolen in Down Under. Das Finish unseres Roadtrips ist die berühmte Great Ocean Road, eine wunderschöne Küstenstraße. Die besten Bilder gibts in diesem Blogpost.

 

... das war in etwa unsere Route

Gold Coast

Gold Coast und Surfers Paradise sind zwei Stadtnamen. Ja richtig, die Städte heißen so. Hört sich witzig an, wenn jemand fragt wo man lebt und die Antwort ist "Surfers Paradise". Tja, da waren die Aussies äußerst kreativ mit der Namensgebung. 









Surfen ist DER Nationalsport in Australien. Aber nix da mit nur knackigen, braungebrannten, langzotteligen Surferboys. Von jung bis alt - Australier lieben das Surfen. Wir beobachten etwas beleibtere, Kinder und auch so manchen Opi, der sich aus seinem Wetsuit am Strand schält. Schlechtes Wetter? Kennen sie nicht. Auch bei Regen oder acht Grad Außentemperatur. Wenn die Wellen gut sind, wird gesurft. Am besten gleich zum Sonnenaufgang vor der Arbeit. Fasziniert beobachten wir wie zwei Installateure frühmorgens noch im nassen Wetsuit bekleidet, ihre Boards in den Firmenbus laden, sich abtrocknen, kämmen und in ihre Arbeitsoveralls schlüpfen. Wie cool wär das, vor der Arbeit noch ein paar Wellen zu surfen? Irgendwo müssen die Australier schließlich ihr entspanntes Gemüt herhaben. 



Byron Bay

Wir haben bereits davor von vielen Leuten gehört, dass dieser Hippie-Ort total lässig sein soll. Dementsprechend gespannt sind wir, was uns dort erwartet. Wir nähern uns dem Städtchen und uns begegnet bereits ein bunt bemalter Hippie-VW-Bus, gemalte Blümchen zieren so manchen Wegweiser. Mit „Welcome to Byron Bay - cheer up, slow down, chill out“ begrüßt uns schließlich das kleine Örtchen an Australiens Ostküste. 



Durch die Stadt zu gehen ist wie eine Reise in die 60er. In gestreiften Ponchos laufen barfüßige Hippies mit zotteligen Haaren die kleinen Straßen entlang. Vinylshops, Secondhandläden, vegetarische Drogeriemärkte und „Bulk Stores“ zieren die Straßen (da kann man unverpackte Lebensmittel kaufen). Dazwischen reihen sich immer mal wieder die coolen Surfshops ein. Zig Kreativ-Workshops von Häkeln bis Gruppenmeditation werden angeboten. Öko’s, Hippies und Hipster treffen hier aufeinander. 
Wir spazieren gemütlich durch das überschaubare Zentrum von Byron Bay und landen schließlich am Strand. Was wir dort sehen, bringt uns zum Schmunzeln. Ein paar Leute in 70er-Jahre-Klamotten bilden einen Trommelkreis, begleitet von Didgeridoo und Gitarre und bewegen sie sich wie in Ekstase dazu. „Ok, es stimmt wirklich. Dieser Ort hat etwas von der Hippie-Zeit“, stellen wir fest. Wir kommen gerne wieder!






Byron Bay ist der östlichste Punkt des australischen Festlands


Hunter Valley

Die älteste Weinregion Australiens ist berühmt für Shiraz und Semillon. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Wir besuchen ein paar Weingüter und kosten uns brav durch. Bei einer Käserei decken wir uns noch mit Blauschimmelkäse und Cheddar für unseren Wein-Käse-Abend im Campervan ein. Jetzt fehlen nur noch unsere lieben Freunde und Familie von daheim....





Sydney

„Das schaut in echt ganz anders aus wie auf den Fotos“, ist Rolands erste Reaktion als wir das Opera House von der Harbour Bridge aus erblicken. Das Dach (was übrigens ein Segel darstellen soll) sieht total gelblich aus und nicht so blütenweiß wie wir es von den Fotos kennen. Von der Nähe sieht der 70er-Jahre Bau mit seinen bräunlichen Fenstern und Fliesendach aber beeindruckend aus. Gefällt uns! Einen Opernbesuch lies die Reisekasse aber leider nicht zu.






Harbour Bridge
Bondi Beach







Melbourne

Melbourne ist bekannt für seine unglaubliche Lokalszene. Sogar der Lonely Planet führt die lässigen Cafes und Bars als Sehenswürdigkeit an. Abhängen und so die Stadt in sich aufsaugen. Na hört sich doch nett an, einfach nur a bisserl Kaffee trinken. Haben wir absolut nix dagegen! 

Ananas als Tischdeko 💛


Damit wir doch noch ein bisschen Sightseeing haben, entscheiden wir uns für eine Free Walking Tour, da bekommt man immer einen guten ersten Eindruck der Stadt. Wir latschen durch die Straßen und unser Guide erzählt von der Rivalität zwischen Sydney und Melbourne, und wer denn nun die Hauptstadt Australiens werden soll. Geworden ists keine von beiden, sondern eine angeblich super langweilige (stammt nicht von uns) Stadt dazwischen: Canberra.
Wir gehen gerade über eine grüne Ampel und machen einen Stopp vor der ältesten Espresso-Bar der Stadt. Unser Guide Talasca stellt sich auf einen erhöhten Vorsprung, damit alle sie sehen können. Dann beginnt sie mit ihrer kräftigen Stimme zu erzählen wie sehr, wirklich seeehr stolz die Melbouraner (nennt man die so?) auf ihren Kaffee sind. Sie bittet uns um ein Versprechen. Aber zuerst müssen wir alle die Hand aufs Herz legen und ihr nachsprechen. Alle sind wir gespannt was jetzt kommt. "I promise during my stay in Melbourne I will never purchase a coffee from Starbucks". Ha! Das gefällt allen und ein Lachen geht durch die Runde.
Bei einer kurzen Pause während der Tour gehen wir Talascas Ratschlag gleich nach und bestellen uns einen Cappuccino in einem guten Coffeeshop. Leider wird dieser mit soviel Liebe gemacht und dauert ewig, weswegen wir die Tour verlieren. Naja...gibt ja anscheinend eh nicht so viel zu sehen in Melbourne. Machen wir mal das wichtigste: Kaffee trinken.


Great Ocean Road

Zu Recht darf diese Straße sich so bezeichnen. 243 Kilometer schwingt sie sich den tiefblauen Pazifik entlang. Noch einmal sehen wir uns am Meer Australiens satt und genießen unsere letzten Tage „on the road“. Das Abenteuer Vanilfe ist fast vorbei, unser Tacho steht schon bei unglaublichen 6.000 Kilometer.



Links von uns wird die Küste immer dramatischer und wilder, während rechts von uns die Wiesen immer saftiger werden. Schafe grasen auf den sanften Hügeln, einsame viktorianische Häuser neben riesigen Bäumen ziehen an uns vorbei. Wir könnten auch in Irland sein, denken wir uns.





Ein letztes Mal noch machen wir Mittagspause am Strand, mit geöffneter Heckklappe. Ach, wie werden wir unseren Van vermissen.


Das Highlight der Great Ocean Road sind die „Twelve Apostels“. Diese mächtigen Gesteinsformationen wirken wie hineingesetzt ins Meer. Zum Sonnenuntergang machen wir uns auf den Weg dorthin. Unsere Erwartungen sind etwas gedämpft, da wir bereits vermuten, dass sich viele Touristen dort tummeln und dem ganzen sehr viel an Flair nehmen. Wir gehen die letzten Meter vom Parkplatz zur Aussichtsplattform und als wir den ersten Blick auf die Twelve Apostels werfen, sind wir überwältigt. Die Stimmung ist einfach grandios zu Sonnenuntergang, sie wirken so mächtig im Meer. Da sind die Selfiestick-Drängler (*hüstel* Chinesen *hüstel*) gleich vergessen.



Unser absolutes Highlight? Die Freundlichkeit der Australier

Wie verändert ein Land den eigenen Blickwinkel? Mit welchem Gefühl haben wir vor zwei Monaten den australischen Kontinent betreten? Mit welchem Gefühl verlassen wir ihn? 
Am liebsten bereisen wir ja Länder mit einer fremden Kultur, damit wir gefordert sind während dem Reisen. Neues kennen lernen und so richtig eintauchen in etwas Unbekanntes. Viele Überraschungen halten solche Länder für einen meist bereit. Das macht das Reisen spannend und zum Abenteuer. Zu Beginn dachten wir uns in Australien herrscht eine westliche Kultur, vieles funktioniert wie bei uns.

Doch auch hier werden wir jeden Tag überrascht.

Wahrscheinlich hatten wir den Irrglauben, in Australien "wäre es eh wie bei uns" - wie man so schön sagt. Aber nein. Die unvorstellbare Freundlichkeit und Offenheit der Australier überrascht uns jeden Tag aufs Neue. Ein paar Beispiele gefällig? Bitteschön:

Wir spazieren zu einem Leuchtturm, Roland hat seine Kamera umgehängt. "Oh sorry, I just saw you are a photographer. There are babybirds sitting in this tree" und der nette, 50-jährige Herr zeigt auf einen Baumwipfel, wo sich ein Vogelnest befindet. "I just thought that you might not see it and maybe you want to take a picture." Und er verabschiedet sich ganz freundlich. Würde bei uns jemand einem Touristen ein verstecktes Vogelnest wo zeigen, damit er ein Foto schießen kann? Ich glaub eher nicht.

Andere Situation: Roland will beim Supermarkt unseren Van aus der engen Parklücke ausparken. Prompt bleibt ein Australier stehen und schaut, ob es sich ausgeht und weist uns aus.

Was auch öfters vorgekommen ist: Wir gehen einen kurzen Küstenweg und spazieren einfach vor uns hin, haben keine Karte in der Hand wo wir nach einem Weg suchen. Wir schauen also nicht desorientiert aus. Man sieht uns anscheinend nur an, dass wir Touris sind (oh nein ;-) ). Ein paar vorbeigehende Australier vergewissern sich, ob wir eh den Weg kennen. Alle haben sie ihn uns nochmals mit ihrer superfreundlichen Art erklärt. Wobei der Weg echt watscheneinfach war. Nett, oder? Wir sind begeistert.


Ortswechsel: Brisbane. In dieser zwei Millionen-Stadt leben äußerst freundliche Menschen. "Two tickets to the cultural center" sage ich zum Busfahrer und halte ihm schon einen Zehndollarschein hin. "I'm in a hurry, just hop on" antwortet der Fahrer ganz lässig. Tja, wo wir in Indonesien oftmals den doppelt oder dreifachen Preis für den Bus gezahlt haben, dürfen wir in Brisbane gratis mitfahren. Mit "Thank you" verabschiedet sich übrigens jeder Fahrgast vom Busfahrer, wenn er vom Bus aussteigt. Können sich die Wiener unter euch das mal bitte mal vorstellen?
Selber Tag am Nachmittag: Auf der Fähre lernen wir eine Dame kennen, wir tratschen zehn Minuten mit ihr. Sie erzählt uns von ihrem Leben, gibt ein paar Tipps für die Stadt. Wir steigen in der selben Station aus wie sie und müssten dort ein paar Minuten gehen, bis wir bei der Flusspromenade ankommen. Sie bietet uns prompt an, uns mit ihrem Auto mitzunehmen und dort abzusetzen.

Und jetzt die berührendste Szene von allen, die Roland und mich echt geflasht hat. 

Wir haben uns danach einfach nur angesehen und wow gesagt. Es ist abends in Byron Bay und wir sind am Weg zum Campingplatz. Auf dem Gehsteig sitzt ein Obdachloser. Zu einem vorbeigehenden jungen Typen sagt er: "Hey man, whats going on?". "Everythings good. How are you?" antwortet ihm der junge Mann. Die beiden kennen sich nicht. Roland und mir wird ganz warm ums Herz. Es hat ein kurzer Smalltalk zwischen den beiden stattgefunden. Der Obdachlose ist nicht ignoriert worden, wie es bei uns oder auch in anderen Städten so oft der Fall ist.

Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen, immer wieder begegnen wir äußerst freundlichen Menschen und fragen uns, wieso bestimmte Situationen bei uns unmöglich wären?
Wieso gehen bei uns Zuhause (in Wien) die Menschen so kühl und distanziert miteinander um? Wir packen diese australische Offenheit in unsere Backpacks ein und nehmen sie hoffentlich mit nach Hause. Danke Australien!

Time to say goodbye...and for change!

Nach zwei Monaten im Campervan müssen wir erstmal wieder alles neu sortieren, ausmisten und  haben richtig Schiss, dass wir unsere Backpacks gar nicht mehr zukriegen, weil wir das Gefühl haben plötzlich so viele Dinge zu haben. Also erstmal alles raus aus dem Campervan, überflüssige Dinge verschenken (da haben wir übrigens genau den richtigen Sparfuchs am Campingplatz erwischt) und den Van putzen damit wir ihn sauber zurückgeben können.


Auch uns selbst verpassen wir noch ein Beautyprogramm. Meine Haar kriegen einen neuen Schnitt beim vietnamesischen Friseur im Supermarkt (war so günstig dort). Roland rasiert sich nach zwei Monaten seinen Zottelbart ab. Und er hat Lust auf Veränderung - ein Schnauzer solls sein! Total aufgebrezelt (für unsere Verhältnisse) gehen wir am letzten Abend Pizzaessen in Melbourne. Tschüss, Australien. Danke für die vielen schönen Momente, die vielen Tiere die wir sehen durften, die freundlichen, netten Menschen, die wunderbare Natur.


Jetzt ist's Zeit für ein neues Land! Ein grooooßer neuer Abschnitt unserer Weltreise beginnt, wir wechseln den Kontinent. Freuts euch auf einen spannenden Beitrag, denn wir sind mit Locals (=alten Freunden) unterwegs.

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