Bali - Eat. Surf. Love

Donnerstag, 2. August 2018



Unser Taxifahrer Koman parkt seinen schwarzen SUV am Straßenrand der belebten Einkaufsmeile Pantai Batu Bolong. Wir sind angekommen in Canggu, dem hippen Surferort. Es herrscht Cornetto-Alarm, in den Bars hocken gut gebräunte, muskelbepackte Surfer. Mopeds mit einer Surfbrett-Vorrichtung zischen an uns vorbei. Oben sitzen Surferboys in Muskelshirts und hinten fahren hübsche Mädls im Bikini mit, ihre langen Haare wehen im Fahrtwind.



Eat.

In Canggu finden wir alles, was unser Pinterest- und Instagram Feed uns sonst immer auf dem Handydisplay zeigt. Coole Shops, Schmuck den ich von Pinterest-Posts wieder erkenne. Das Essen ist reinster Foodporn. Smoothie-Bowls, Superfood-Salate, Shakes mit Aktivkohle und weiß Gott was. Der Lifestyle von Canggu lautet chillen, surfen, gesund Essen, Yoga, guten Kaffee und Bier trinken und dabei hübsch aussehen. Auswanderer haben sich in diesem Ort im Süden Balis ihr Paradies eingerichtet. Es ist eine Blase, in der wir gelandet sind. Vom #iamnotplastic-Ökostrohhalm bis zum Flat White Coffee - alles ist auf ein hippes, urbanes Publikum ausgerichtet. Jedes Essen, jedes Getränk schreit nach einem Social Media Foto.



Der Lifestyle ist ansteckend. Wir tauchen ein in die Blase. Und füllen erstmal unseren Vitaminhaushalt auf, der die letzten Wochen etwas gelitten hat. Schritt eins des Canggu-Lifestyles ist geschafft. Auf zu Schritt zwei.

Surf.

„3 Day Beginner Package. Passt, das nehmen wir.“ Roland tippselt in sein Handy und verschickt die Anfrage an die Baruna Surf School. Eine Stunde später ist die Whatsapp-Nachricht von Rudy, unserem zukünftigen Surflehrer, schon da. Wir gehen morgen surfen. Wuaaaahhhh!

Nächster Morgen. Um 8:00 Uhr steht unser Surfleher mit seinem Jeep und zwei blauen Surfbrettern am Autodach vor unserer Unterkunft. „Hey man, what's uuup“, sagt er zu uns als wir ins Auto steigen und er streckt uns dabei die Faust für einen lässigen Surfer-Gruß entgegen. Klischee erfüllt. Rudy ist ein Surfer wie er im Buche steht. Stylisches Trucker-Kapperl, lässige Sonnenbrille. Er trägt ein Ripcurl-Shirt, seine Arme sind tätowiert. Cooler Schmäh. Man merkt, dass er viel mit seinen Surferfreunden abhängt und Surfen bei den Balinesen eine Männerdomäne ist. Voll machomäßig hupt er, wenn er eine hübsche Frau auf der Straße sieht. 

Zwanzig Minuten fahren wir bis zum Kedungu-Beach. Für uns zwei Grünschnäbel die noch nie auf einem Surfbrett gestanden sind ist das anscheinend ein guter Surfspot. Wir steigen aus dem Auto aus und gehen ein paar Meter Richtung Strand, um die Wellen abzuchecken. „Wooohoo, today are big waves guys“, stellt Rudy fest und lacht dabei laut. Ein dezenter Anflug von Nervosität überkommt uns (mich) beim Anblick dieser meterhohen Wellen. Da sollen wir mit unseren Boards heute rein? Hilfe!


Aber erstmal Lektion eins vom Surfen: Chillen & Kaffee trinken mit Rudy und seinen Surfkumpeln in der Surfschool. Wir bestellen uns auch einen Kopi Bali (=Kaffee), aber eigentlich wollen wir mit dem Brett ins Wasser. Es kribbelt. Vorfreude pur! Noch ein kurzes Trockentraining am Strand bevor wir uns mit unseren Anfängerboards in die Wellen stürzen.


Als wir die mächtige Brandung unbeschadet überwunden haben, paddeln wir raus. Wir liegen auf den Surfbrettern und warten, bis Rudy die perfekte Welle für uns erspäht hat. Dann (Lektion zwei) warten wir auf sein Kommando: „Ok, Regina, are you ready? GO!!! Paddle, paddle. Faster. FASTER! Get up!“ Ich schlage meine Hände wie wild ins Wasser, um ordentlich Tempo zu bekommen (wie anstrengend!). Ich spüre noch den Schub den der Surflehrer meinem Board am Schluss noch mitgibt, stelle meine Füße auf die am Board aufgedruckten Buchstaben wie Rudy es erklärt hat. Und siehe da – ich stehe…ähm surfe?!

Roland (rechts) wartet noch gelangweilt auf seine Welle
Wie geil ist das bitte!!! Ich schaue nach vorne, vor mir ein kilometerlanger, leerer Sandstrand. Die weiße Gischt der Wellen ist mächtig. Ich schaue zu meinen Füßen, die auf dem blitzblauen Surfboard stehen und korrigiere nochmal meine Fußstellung. Ich reite auf einer Welle. Mein Herz surft mit. Ohmann, ich surfe in Bali!
Jetzt ist Roland an der Reihe. Auch er schafft's aufs Brett und surft lässig Richtung Strand.


Von den Surf-Profis lernen

Mit Rudys Unterstützung ist das Surfen ganz easy. Man muss so fest es geht paddeln, um ein ordentliches Tempo zu bekommen, damit man die Welle erwischt. Dann einfach aufstehen und - tada - man surft. Die Paddel-Kraft als Anfänger ist….tja, noch ausbaufähig sagen wir mal. Deshalb hat Rudy unseren Boards einen kleinen Extra-Geschwindigkeitsschub verpasst, damit wir das schöne Gefühl des Surfens genießen dürfen. 
Nach der ersten Surfstunde ist uns klar, wieso die Surfer wie ein Cornetto aussehen. Wir spüren jeden Muskel. Jedes Körperteil das mit dem Board in Kontakt kommt, schmerzt. Also eigentlich eh der ganze Körper, da man ja zu Beginn bäuchlings oben liegt. Die Knie und der Rist sind aufgescheuert. Beim Rest tuen die Knochen weh oder eben die Muskeln. Die Wehwehchen sehen wir als Tapferkeitsmedaille.
Es ist wieder so ein Moment wie damals beim Wandern in Nepal. Wir haben ordentlich Blut geleckt am Surfen, wollen mehr davon. Wir sind voller Endorphine und können uns keine tollere Beschäftigung in Canggu vorstellen. Abends gehen wir zum Echo-Beach, wo sich die Profi-Surfer austoben. Ganz genau beobachten wir, welche Welle sie nehmen, wann sie aufs Board steigen. Schließlich wollen wir jetzt auch unsere Surfkarriere starten. Gebannt sitzen wir an der Bar mit einem Bier in der Hand, gucken auf das Line-up der Surfer und freuen uns auf den nächsten Surftag. In Gedanken träumen wir von unserer eigenen Surfer-Karriere. Wie geil wär es, jemals so surfen zu können wie die Profis?




Paddeln, paddeln, fester paddeln!

Drei Tagen dauert der Surfkurs. Jeden Tag freuen wir uns wie kleine Kinder, wenn Rudy uns früh morgens abholt. Rauf auf die Bretter, rein in die Brandung und paddeln, paddeln, paddeln. Jeden Tag gehen wir etwas weiter raus, nehmen größere Wellen. Wie in einer Waschmaschine werden wir durchgespült, wenn es uns vom Surfbrett haut und das passiert ständig. Manchmal früher, manchmal später und manchmal reichts nicht mal zum Aufstehen. Aber es macht so unvorstellbar viel Spaß. Ich glaube der Selfie von uns nach dem Surfen zeigt am besten wie happy wir uns nach den Surfstunden gefühlt haben.




Am letzten Tag schießen wir noch ein Foto mit Rudy. Eins ist klar für uns: Wir wollen weitermachen und noch mehr surfen. Wir legen einen Tag Pause ein, damit sich die aufgeschürften Knie etwas erholen können.


Jetzt müssen wir alleine ran!

Das erste Mal surfen ohne Surflehrer. Mit einem etwas mulmigen Gefühl düsen wir mit dem Roller zum Kedungu-Surfspot und borgen uns ein Foamboard aus. "Are the waves ok for beginners now?" fragen wir nochmal in der Surfschool nach. Meist gibt es nur ein paar Stunden am Tag die perfekten Wellen. Erwischt man diesen Timeslot nicht genau, ist es noch schwieriger bzw. für einen Anfänger unmöglich zu surfen. Wir haben etwas Schiss als wir uns mit den Boards in der Hand alleine in die Brandung stürzen. Keiner sagt uns mehr, wo der beste Kanal zum rauspaddeln ist. Keiner sagt uns mehr, wo wir auf die Wellen warten sollen. Und keiner gibt dem Board den notwendigen Schubs kurz vorm Aufstehen. Das müssen wir jetzt selbst lernen.
Wir paddeln raus und hoffen, die passende Welle zu erspähen. Es ist superanstrengend, die Strömung treibt uns ab. Wir gehen wieder an den Strand und paddeln nochmal von neuem raus. Ohmann, jetzt sind wir schon ausgepowert. Roland und ich raffen alle Kräfte zusammen und versuchen nochmal unser Glück. Rudy, wo bist du???
Wie sagt man so schön, Übung macht den Meister. Tapfer haben wir ausgehalten und sind noch ein paar Tage alleine surfen gegangen. Jeden Tag haben wir ein klein bisschen dazugelernt. Welche Welle lohnt es sich anzupaddeln, bei welcher kann man sich gleich seine Kräfte sparen. Roland macht sich recht gut, er steht bei vielen Wellen. Ich muss wohl noch ein paar Paddel-Einheiten einlegen, um ordentlich Speed zu bekommen. Speed und Timing ist alles beim Surfen.
Aber trotz aller Anstrengungen ist es sooooo der tolle Sport! Das Surfen hat sich in unsere Herzen eingebrannt. Dieses Gefühl frühmorgens auf den Roller zu steigen und Richtung Strand zu fahren. Schnell ein Board schnappen und rauspaddeln. Warten auf die perfekte Welle. Nichts anderes im Kopf haben als die Wellen. Sich auspowern. Nach zwei Stunden mit einem unvorstellbar zufriedenem Gefühl erschöpft in den Sand fallen lassen...Hammer!
Roland und ich sind schon ganz gierig nach Surfspots bei unseren zukünftigen Reisezielen. Und wer weiß, vielleicht stehen wir auch mal so lässig am Board wie Rudy:


Love.


Ein neues Wort haben wir von unserem Surflehrer gelernt. Chillen + Relaxen = Chillaxen oder auch Nichtstun, Leben genießen, Happy sein. Die Surf-Love-Clean Eating-Blase Canggus hat uns verschlungen. Aus fünf geplanten Nächten wurden doppelt so viele. Doppelt so viel surfen, doppelt so viel gutes vegetarisches Essen genießen, doppelt so viel Yoga machen. Das tut der Seele gut.
Die ersten fünf Nächte schlafen wir in einer mittelmäßigen Unterkunft. Das fensterlose Bad ist ein Brutplatz für Mücken. Eine Kakerlake wohnt auf unserem Duschkopf und es riecht nach Bahnhofsklo im Zimmer. Nichts neues für uns, wir sind noch immer abgehärtet von Nepals einfachen Unterkünften. Doch in Bali wollten wir auch einmal etwas schöneres für ein paar Tage. Dank eines Tipps von Christine und Philipp die wir in Munduk kennen gelernt haben, checken wir uns für drei Tage im Chillhouse ein. Ein Surf- und Yogaretreat. Gönn Dir!
Zwei Stunden nach dem Check in verlängern wir auf fünf Nächte. Wieso?

Unser Zimmer.


Unsere Terrasse.


Unser Bad. Ja richtig gesehen, da wächst ein Baum mitten im Bad, wie schön ist das bitte? 

Yogaklassen 2x am Tag.

Das Restaurant & Frühstück.


Und das allerbeste zum Schluss: Roland hat ein Gerät zum killen der lästigen Gelsen. Jeden Abend nimmt er den Kampf mit ihnen auf. Mit dem Elektro-Fliegentuscher haben die Insekten schlechte Chancen.

Canggu ist unsere letzte Station auf Bali. Jetzt gehts ins richtige Indonesien. Mehr von unserem ersten Abenteuer auf Java erfahrt ihr im nächsten Blogpost. Gleich mal vorab, es wird stinkig. Sogar so sehr, dass wir Gasmasken brauchen.

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