If you are going to San Francisco...

Samstag, 29. Dezember 2018

"Schau mal, der Bauarbeiter hat einen Blumenkranz auf seinem Helm", sagt Roland zu mir und deutet auf den Straßenarbeiter, der uns kurz vor San Francisco anhält. Der Mann winkt uns durch die Baustelle durch und zum Abschied zeigt er uns mit seiner linken Hand das Peacezeichen.

Wir LIEBEN solche Momente! Uns kommt sofort der Song "San Francisco" von Scott McKenzie in den Sinn und wir trällern fröhlich vor uns hin "if you are going, to San Francisco. Be sure to wear some flowers in your hair". Naja, so textsicher sind wir nicht. Wir suchen ihn lieber mal auf Spotify. Und wir schwärmen weiter, wie relaxt hier alle sind, dass sogar die Straßenarbeiter hier Blumenkränze am Helm tragen...

Golden Gate Bridge

Da wir von Norden, aus dem Sonoma Valley kommen, sehen wir das Wahrzeichen von San Francisco gleich als erstes. Das matte, rostige Rot blitzt hervor, es harmoniert so schön mit dem blauen Meer und Himmel. "Ich hätte mir niemals gedacht, dass ich jemals hier stehe", sage ich zu Roland. So weit hat uns unsere Reise schon geführt. Wahnsinn.





Alcatraz

Den Tag drauf geht's zum wohl berühmtesten Gefängnis weltweit. Auf einer Insel, ca. 20 Bootsminuten von San Francisco entfernt befindet sich das einstmalig sicherste Gefängnis der USA. Heute ist es ein Touristenmagnet und einen Besuch muss man bereits einige Wochen vorher buchen. Das hat uns Spontanlinge natürlich wieder etwas herausgefordert, wo wir doch meist keinen Plan haben, wo wir in einer Woche sein werden... Trotzdem haben wir es geschafft, rechtzeitig Tickets zu ergattern.


Im ehemaligen Trakt laufen wir mit Audioguide herum und hören gespannt den Geschichten über ehemalige Insassen und den vielen (gescheiterten) Ausbruchsversuchen zu. Berühmtester Häftling war Al Capone und nicht wie viele vielleicht denken Sean Connery 😉
Al Capone saß nicht etwa wegen der zahllosen Morde oder anderen Mafiaaktivitäten ein. Nein, Steuerhinterziehung brachte ihn nach Alcatraz.
Ansonsten gab es 14 Fluchtversuche in der 29-jährigen Geschichte des Gefängnisses. Von fünf Geflüchteten fehlt noch immer jede Spur. Vermutlich sind sie aber im kalten Meer ertrunken. Alle anderen wurden sofort oder kurze Zeit später gefasst.


Vom Gefängnis aus hatten die Gefangenen einen trüben Blick auf die Stadt. Roland steht vor dem verdreckten Guckfenster und schaut Richtung Downtown. "Wie frustrierend muss es gewesen sein, San Francisco zu sehen, wo das Leben stattfindet. Und selbst sitzt man in einer Mini-Zelle fest..."


Wir gehen durch die Gänge und hören mit dem Audioguide Zellentüren in die Schlösser fallen, harsche Anweisungen der Justizbeamten. Die Stimmen der Gefangenen, wie sie sich über ihre Zellen Dinge zurufen, den Wiederhall ihrer Worte. Es zieht uns in die Zeit, als Menschen hier ihre Strafe abgesessen haben. Wir fühlen uns, als wären wir mitten drinnen.



Ein komisches Gefühl überkommt Roland und mich, als wir eine Zelle betreten. So beengend. Es ist, als würden wir noch etwas von dem Geist der ehemaligen Insassen spüren. Überall an den Wänden sind noch ihre Inschriften zu sehen.


Mit dem Boot geht es kurz nach Sonnenuntergang wieder zurück in die Stadt. Es ist bereits kühl geworden, ich mache meine Lederjacke zu. Beide lehnen wir uns über die Reling und schauen in das dunkelblaue Meer unter uns. Bitterkalt schaut es aus. "Unvorstellbar, dass die Geflüchteten wirklich übers Wasser zu fliehen versucht haben..."

Ein Hippieviertel, ein Hipsterviertel und noch vieles mehr

San Francisco ist riesig. Unvorstellbar. Wie viele US-amerikanische Städte ist auch hier der öffentliche Verkehr nicht so gut ausgebaut. Zwar um einiges besser als LA, aber wir machen hier trotzdem wieder Sightseeing per Uber Pool. Das ist ein Sammeltaxi, das hier in den USA ziemlich günstig ist. Eine Fahrt kostet oft weniger als ein Öffi-Ticket in Wien. An mehreren Tagen klappern wir die ganzen coolen Hipster-Viertel von San Francisco ab, und davon gibt es hier genug. 
Was hat natürlich eine hippe Stadt in den USA? Ein Lesben- und Schwulenviertel, Castro heißt es in SF. 



Mission District ist der Hipster- und Latinobezirk. Coole Cafes, vegane Restaurants, urige Tacoläden, Streetart, hier gibt's allerlei zu entdecken.


Am Abend geht's dann noch in einen Club am Hafen. Purple Disco Machine und Claptone heizen ein.


Love & Peace

Mit am besten hat uns das Hippie-Viertel Haight-Ashbury gefallen. Es ist wie eine Zeitreise in die 70er Jahre. In den Schaufenstern gibt es Flower-Power-Mode zu kaufen. Bei unzähligen Weed-Shops kann man sich mit der nötigen Dosis Entspannung eindecken. Love & Peace lautet das Motto dieses Viertels. 

Jetzt wird's steil

Die Cable Cars sind neben der Golden Gate Bridge wahrscheinlich das bekannteste Wahrzeichen von San Francisco. Ich dachte mir, damit fahren wirklich noch die Bewohner. Aber nein, nur die Touris fahren mit den Tramwagen durch die steilen Straßen der Stadt.



Lombard Street

Diese von Blumen gesäumte Zick-Zack Straße ist wohl die bekannteste in San Francisco. So spazieren auch Roland und ich an einem Sonntag Nachmittag dorthin. Wir machen ein paar Fotos, beobachten Touristen wie sie die Straßen beim Posieren blockieren. Sogar eine Polizistin reguliert den Verkehr, damit kein Selfie-Stick schwingender Touri über den Haufen gefahren wird. 

Wir sind gerade einmal 50 Meter von diesem Touristenspot entfernt, sehen wir zwei Männer mit übergezogener Kapuze in ein Autofenster eines SUV hinein schielen. Wir machen uns noch über die Touris, die die Straßen blockieren lustig und ich denke mir, die zwei Typen haben wohl den Schlüssel im Auto liegen lassen.

Zack, da splittert schon die erste Glasscheibe. 

Einer Typen hat sie eingeschlagen. Er fischt einen Rucksack aus dem Auto. Sein Komplize macht das gleiche bei der Rückscheibe und holt eine Tasche raus. Roland und ich stehen wie angewurzelt da, sehen den beiden Typen in die Augen, da wir ja direkt an ihnen vorbeigehen. Im Schneckentempo gehen wir weiter, wissen nicht wie wir uns verhalten sollen. Mir schießt sofort die Frage in den Kopf, ob sie vielleicht eine Waffe haben? In den USA ist's ja nicht grad schwer an eine zu kommen.

Die Zeit vergeht wie in Zeitlupe. 

Ihr anderer Komplize der im Auto mit laufendem Motor wartet, ruft ihnen etwas zu und die beiden springen mitsamt dem Diebesgut ins Auto. Roland und ich sind geschockt, wovon wir gerade Zeugen geworden sind. Und über unsere Tatenlosigkeit. Wir konnten uns nicht einmal das Kennzeichen merken. 
Später sehen wir überall weiße Zettel kleben, keine Wertgegenstände im Auto zu lassen. Viele Touris gehen ja einfach nur kurz zur Lombard Street, schießen ein paar Fotos und sind nach zehn Minuten wieder bei ihrem Auto zurück. Auch wir hätten sicher nicht den schweren Rucksack samt Laptop usw mitgeschleppt, wären wir mit dem Auto hier gewesen. Das ist alles bei Tageslicht, in einer schönen Wohngegend passiert. Mit einem etwas mulmigen Gefühl gehen wir durch die Straßen und setzen unser Sightseeing fort. 

Ratet mal, ob wir Free Drinks bekommen haben...
Die Seelöwen am Pier 39.



Wenn wir nicht gerade beobachten wie Autofenster eingeschlagen werden, machen wir Fotos von den schönen viktorianischen Häuser 😉 Jedes sieht so einzigartig aus. 


Die berühmten "Painted Ladies" vor der Skyline

Von dem Aussichtspunkt "Twin Peaks" bestaunen wir die riesige Bay-Area. San Francisco selbst hat nur knapp 880.000 Einwohner, ziemlich klein also. Zählt man aber den gesamten Ballungsraum, sind es sieben Millionen Einwohner.

San Francisco ist wohl die europäischste Stadt, die wir in den USA gesehen haben. Mehr Menschen sind zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs, die Restaurants und Flaniermeilen gleichen denen in europäischen Städten. Aber auch hier gibt es wieder Viertel, die wir in Wien noch seeehr vermissen. Wann gibt es bei uns endlich ein Hippieviertel oder ein Schwulen- und Lesbenviertel? Das wird wohl noch etwas dauern. Fünf Tage sind wir in der Stadt und wir haben nur einen klitzekleinen Teil davon gesehen. Falls ihr einen Besuch plant, nehmt euch ausreichend Zeit für diese spannende Stadt!

Pacific Coast Highway

Frühmorgens verlassen wir San Francisco, die letzte Etappe unseres vierwöchigen Roadtrips durch die USA steht an. "Ab jetzt gehts nur mehr Richtung Süden auf unserer Welteise", sage ich zu Roland während ich den Nebel beobachte, wie er sich aus den Buchten zurückzieht. Ein angenehmes Gefühl steigt bei dieser Vorstellung in mir auf, wenn ich es mir auf der Landkarte vorstelle. Immer Richtung Süden bis....vielleicht Patagonien...


Über den Pacific Coast Highway nehmen wir die erste Etappe in Angriff. Das ist die Panoramastraße der Westcoast, sie ist legendär und führt die schöne Pazifikküste entlang. Die Aussicht ist atemberaubend. Am Ende spukt sie uns in LA aus, dort wo wir unseren Roadtrip begonnen haben. 

Ähm...Klospülung?

Auf unserem Weg Richtung Süden machen wir noch einen Stop bei den Seeelefanten. Bereits aus der Ferne hören wir ganz seltsame Laute. „Das hört sich an wie eine Klospülung“. „Na eher wie ein verstopfter Abfluss der dann mit einem mal plötzlich frei wird“. Sehr seltsame Geräusche geben diese Tiere von sich und belustigen damit die Touristen. Aber nicht nur ihre Geräusche sind lustig: Wenn sich die Seeelefanten bewegen, sieht es aus als würde eine Schwabbelschwarte über den Strand rollen. Herrlich! 


"Da schau, der quetscht sich zu den vier anderen noch dazu", sagt Roland und zeigt auf eine Gruppe von Seeelefanten, die sich zum Schlafen zusammen schmiegen. Es ist so lustig, diese Tiere zu beobachten und dabei ihren Klospülungs-Geräuschen zuzuhören. Lachen garantiert.




Santa Barbara

Goodbye, USA! See you again.

Unsere letzte Nacht im Motel steht an. Wir sind traurig, dass der Roadtrip so schnell vorbei war. "In den USA waren wir garantiert nicht zum letzten Mal", sind wir uns beide einig.

5.956 km...

....sind wir auf den Straßen der USA gefahren. Da die Blogposts nicht ganz chronologisch waren, hier nochmal unsere ungefähre Route (bei Google Maps lassen sich leider nicht so viele Wegpunkte setzen):

Los Angeles - San Diego - Route 66 - Flagstaff - Grand Canyon - Horseshoe Bend - Antelope Canyon - Monument Valley - Bryce Canyon - Valley of Fire - Las Vegas - Death Valley - Yosemite Nationalpark - Sonoma Valley - San Francisco - Pacific Coast Highway - Malibu - Los Angeles

Danke nochmals an Oliver, Reinhard und Peter für eure Routentipps. Ihr habt uns das mühsame Lesen von Travelblogs erspart.




"It's the law"

Jetzt machen wir kurz einen Zeitsprung zurück in die Vergangenheit. Wir stehen am Flughafen in Melbourne, Australien und wollen für unseren Flug nach LA, USA einchecken. Nach einer gefühlten Stunde anstellen knallt Roland die Rucksäcke auf die Gepäckswaage.
"Where are you going after the United States?" fragt uns die freundliche Dame am Check-In Schalter von Virgin Australia. "Mh, we don't know yet" antworten wir ihr mit einem Grinser im Gesicht, weil wir uns so freuen, dass uns das offen steht.

Der freundliche Gesichtsausdruck der Dame verwandelt sich schnell in ein ernstes Gesicht. Sie drückt uns unsere Pässe wieder in die Hand. "If you don't have a return flight or a flight out of the US, I can't check you in", erklärt sie uns. Verdutzt schauen wir sie an. "IT'S THE LAW" fügt sie noch ganz harsch hinzu, als hätten wir gerade etwas verbrochen.
Wir brauchen also einen Weiterflug nach den USA, sonst kann sie uns keine Boardkarten ausstellen. Toll. In zwei Stunden geht unser Flieger. Genervt schmeißen wir unsere Backpacks wieder aufs Gepäckswagerl und müssen die ganze Schlange wieder zurück. Wir suchen uns ein Platzerl zum Überlegen. "Was machen wir jetzt?". "Ja, einen Flug buchen, was sonst". Nerv.
Laptop aufklappen, Hotspot beim Handy einschalten, Google Flights aufmachen. Überlegen wo wir denn hin könnten. Kreditkarte rausholen, Flug buchen......

Wohin es geht? Das gibts in Kürze am Blog zu lesen.

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Blog Archive

Powered by Blogger.
Back to Top