Bali - Galungan in Ubud

Mittwoch, 18. Juli 2018


Es ist ein Uhr nachts, als wir in Bali ankommen. Eka, der Besitzer unseres Homestays holt uns vom Flughafen ab. Obwohl wir müde von der Anreise aus Kuala Lumpur sind, schauen wir beide gespannt aus dem Autofenster. Wir saugen die ersten Eindrücke auf. Was tut sich auf der Straße?
Was unternehmen die Leute? Wir tratschen mit Eka. Wo ist dein Lieblingsort auf Bali? Was ist dein Lieblingsessen? Wir tauchen ein in ein neues Land. "Now you are part of my family, because you are staying at my home. On Monday we gonna prepare a typical meal together for Galungan", sagt er. Was genau Galungan ist, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Aber es hörte sich auf jeden Fall gut an, mit der Familie gemeinsam etwas zu unternehmen. Ein echtes Homestay, so wie wir es lieben.



Nächsten Tag wachen wir in einer grünen Oase in Ubud auf. Aus dem Fenster sehen wir einen kleinen Buddhabrunnen, der sanft vor sich hin plätschert. Orchideen in lila und weiß wachsen auf den Bäumen. Im Garten stehen moosbewachsene, graue Götterfiguren. Alles wirkt wie ein große Tempelanlage. Wir sind angekommen auf Bali.



Vor unserem Zimmer stehen bereits die ersten Opfergaben. Auf einem kleinen Bananenblatt liegen ein paar Körner Reis und ein Keks. An unserer Hauswand entdecken wir einen Mini-Altar, wo  Räucherstäbchen brennen. Voll schön, dass die Familie uns bei ihrer täglichen Segnung miteinschließt. Wir fühlen uns pudelwohl bei Eka und seinen Verwandten - es leben nämlich mehrere Familien in unserem...nennen wir es einmal..."Homestay-Komplex". Jede Familie hat ihr eigenes Haus, aber sie teilen sich den Garten und einen Familientempel. Um das Grundstück ist eine Mauer, von außen schaut es daher aus wie das Zuhause einer Familie.

Kecak-Tanz

"Da gibts doch so bekannte Tanzaufführungen in Bali. Wo die Frauen ihre Finger abartig verdrehen. Sowas mag ich sehen", sage ich zu Roland während wir am ersten Morgen beim Frühstück sitzen. Als die Mutter von Eka unsere Pancakes bringt, fragen wir sie gleich, wo wir so eine Tanzaufführung sehen können. Zehn Minuten später haben wir schon unsere Tickets für einen Kecak-Tanz heute Abend in Ubud.


Als die Aufführung beginnt, sitzen ungefähr zwanzig halbnackte Männer im Schneidersitz am Boden. Sie bewegen sich wie in Trance und singen in einem Sprechgesang "tschaga tschaga" oder sowas ähnliches für ungefähr ZEHN Minuten. Roland und ich schauen uns fragend an: Puh.....wo sind wir denn hier gelandet? Und wo sind die hübsch geschminkten Tänzerinnen, die man von Postkarten kennt? Wenn das jetzt eine Stunde so geht, wird es etwas....anstrengend. Zum Glück sind die Tänzerinnen doch noch aufgetaucht. Worum es in dem Stück gegangen ist, haben wir trotz des Infofolders den man uns beim Eingang in die Hand gedrückt hat nicht verstanden. Sehr kompliziert mit den vielen Göttern im Hinduismus. Irgendwas mit Gut und Böse wars.



Ein Reisfeld voller Drohnen

5:30 Uhr, unser Wecker läutet und auch die vielen Hähne von unseren Nachbarhäusern krähen schon ganz fleißig. Heute gehts zu den berühmten Tegalalang-Reisterrassen nahe Ubud. Wir wollen den Sonnenaufgang dort sehen. Möglichst alleine. Ab 8:00 Uhr marschieren anscheinend die gefürchteten chinesischen Riesenreisegruppen busweise ein. Das müssen wir uns nicht geben, daher heißt es heute früh raus aus den Federn.
Es ist noch stockfinster, als wir aufs Moped steigen. Am Weg kommen wir an einigen Metzger vorbei, die auf ausgelegten Planen mitten auf dem Straßenboden Schweine zerlegen. Puh, grusel, grusel! Langsam fahren wir an ihnen vorbei und können vor lauter Müdigkeit gar nicht realisieren, was wir gerade sehen. Nach knapp einer halben Stunde erreichen wir die Reisterrassen. Ein paar Foto-Nerds schwirren bereits herum, ausgestattet mit Top-Kameras, Stativ und Drohnen. Durch Zufall finden wir heraus, dass ein Instagram-Star (Jacob Riglin) einen Drohnenworkshop gibt.  Ganz hektisch laufen die knapp zwanzig Workshopteilnehmer von einem Aussichtspunkt zum nächsten, über uns schwirren zig Drohnen. "Breakfast later, content first, content first" hören wir den Workshopleiter rufen, während er seine Schüler durch das Reisfeld treibt. Auch sie wissen, dass in Kürze die Chinesen einrücken und die Reisfelder übernehmen. Die Frau mit dem weißen Kleid (Foto unten) gehört auch zur Crew. Sie posiert extra für die Drohnenworkshop-Teilnehmer, damit sie eine gute Aufnahme in den Kasten kriegen. Sie ist ungefähr zwanzig Minuten einfach nur auf- und abgelaufen. Was für eine Idylle mit diesen Drohnen und der aufgehenden Sonne für Roland und mich 😉


Und jetzt das absurdeste an diesem Morgen: Ein Dutzend Australierinnen ist in ihre aller hübschesten und buntesten Ballkleider geschlüpft. Alle machen brav Posing auf einer Reisterasse. Eine nach der anderen will ihren perfekten Shot für ihr Social Media Profil haben. Neben den aufgetackelten Damen zwängt sich ein dürrer, kleiner Reisbauer vorbei. Er hat nur eine froschgrünen Speedo-Unterhose an und geht barfuss durch den Schlamm, um sein Feld zu bestellen. Irrer könnte der Kontrast nicht sein: Posing für das perfekte Instagram-Bild und daneben der alte, ausgemergelte Balinese, der wahrscheinlich schon sein Leben lang am Reisfeld arbeitet. Hier treffen zwei Welten aufeinander und es ist echt absurd, diese Szene zu beobachten.



Galungan. Wir feiern Neujahr in Bali

"Later I will give you Sarong" hat Ekas Mutter mit ihrer sanften Stimme gesagt, als sie uns das Frühstück brachte. Heute ist das Galungan-Fest, alle 210 Tage feiern die Balinesen dieses Neujahrsfest. Nur mit Sarong darf man heute die Tempel betreten. In den Straßen fertigen viele Familien schon seit Tagen ihre wunderschön verzierten "Penjor". Das sind Bambusäste die mit getrockneten Palmblättern und anderen natürlichen Materialien wie Blumen kunstvoll verziert werden. Es wirkt als wäre es ein Wettbewerb, wer den schönsten Penjor hat. Hat in der Familie jemand geheiratet, wird ein noch prachtvollerer Penjor gemacht. Auch im Homestay bereiten die Frauen Körbe voller Blumenopfer für das Fest vor, die sie am Festtag zu ihren Verwandten bringen. Die Männer sind für das Kochen des Festessens zuständig.

Jede Familie fertigt einen Penjor und stellt ihn zum Galungan-Fest auf die Straße
Es dauert nicht lange und wir bekommen die traditionellen Kleider von Ekas Mutter. Roland und ich versuchen uns den riesigen Sarong umzuwickeln. Es schaut aus, als würden wir gleich in die Sauna gehen. Auch Ekas Mutter grinst als sie uns Anfänger sieht und hilft uns nochmal beim Umwickeln. Na geht doch, schaut ja schon viel besser aus!
In diesem traditionellen Outfit dürfen wir den Familientempel betreten, der direkt im Homestay ist. Um 11:00 Uhr startet die Familie mit der Zeremonie. Wir sollen einfach nach vor kommen zum Tempel, meint Eka zu uns. Wir schauen auf die Uhr, es ist erst 9:00 Uhr. "Sollen wir in der Zwischenzeit rausgehen in die Stadt? In diesem lustigen Outfit?" fragt mich Roland. "Mh, ich weiß auch nicht. Irgendwie doch peinlich. Aber ausziehen mag ich den Sarong jetzt auch nicht, den Knoten bringe ich nicht mehr so schön hin". Wir gehen auf Nummer Sicher und verstecken uns bis zur Zeremonie im Homestay.

Wir zwei in Sarong und Hüftschal mit Ekas Mutter
Kurz nach 11:00 Uhr gehen wir zum Familientempel, fragen nochmal nach, ob es wirklich ok ist reinzugehen und ob unsere Aufmachung passt. Nicht dass wir irgendetwas vergessen haben, was man vor dem Betreten eines Tempels machen muss. Füße waschen oder sowas. "No, come in!" ruft uns ein Cousin von Eka zu. Vorsichtig gehen wir rein, schauen uns um, beobachten die Familie beim Beten. Die qualmenden Räucherstäbchen verbreiten eine mystische Stimmung, während der Familienälteste das Wasser segnet. Jetzt sind wir dran mit Beten. Wir setzen uns auf den Boden und Ekas Frau zeigt es uns vor. Die gefalteten Hände über die Stirn geben, eine Lotusblume zwischen die Finger geben, damit sich der Geist öffnet. Wir versuchen es so gut es geht nachzumachen. Am Ende kleben wir uns noch Reis auf die Stirn und auf den Hals, das soll für eine gute Ernte im neuen Jahr sorgen. Falls ihr euch wundert, was da in unserem Gesicht klebt.



Bei uns würde sein T-Shirt wohl nicht (mehr) gut ankommen. Aber im Hinduismus ist das Swastika ein religiöses Glückssymbol.
Nach dem Beten mit lauter Reiskörnern im Gesicht
Nach der Zeremonie wollen wir wissen, was draußen auf der Straße los ist. Im traditionellen Gewand machen wir uns auf den Weg. Es war uns dann doch nicht mehr sooo peinlich, da wir auch schon andere Touris in diesem Outfit herumlaufen sehen haben. Das Bild das sich uns zeigt ist wunderschön: Balinesische Männer in blütenweißer Tracht fahren mit ihren Mopeds, hinten sitzen ihre hübsch geschminkten Frauen, viele tragen heute eine Yasminblüte im Haar. Am Schoß halten die Frauen einen Bastkorb, der bis oben hin mit Opfergaben für die Verwandten gefüllt ist.
"You look beautiful" rufen uns viele Balinesen zu, als wir im Sarong durch die Straßen Ubuds spazieren. In ihren Gesichtern sehen wir, wie stolz es sie macht uns in ihrer tradtionellen Kleidung an diesem Feiertag zu sehen.


Beim Spaziergang kommen wir an einem kleinen Schweinestall vorbei
Auch auf unserem Moped sind Opfergaben für unseren Segen und Schutz

Tiertransport auf balinesische Art, Tempel und Reisterrassen

Die restlichen Tage sind wir mit dem Roller in der Umgebung von Ubud unterwegs. Die Landschaft ist wirklich eine Augenweide, da lassen wir einfach mal die Fotos für sich sprechen.
Eine lustige Begegnung ist der Schweinetransport auf balinesische Art. Wir können es gar nicht glauben als wir mit dem Moped vorbeifahren. Fasziniert schauen wir zu, wie die Männer das Schwein auf den Pickup laden, wo schon ein paar Schweine in ihren Bastkörben liegen. Die Balinesen haben sich wahrscheinlich auch gedacht, dass die Touris verrückt sind, als wir mit Helm vor ihnen stehen und Fotos machen 😂. Als uns ein Auto anhupt, damit wir zur Seite fahren mit unserem Roller, können wir uns vor lauter Lachen kaum halten. Ein weiterer Schweintransporter brettert hupend vorbei. Okay, hört sich vielleicht jetzt nicht so witzig an, hätte man dabei sein müssen. Gesehen haben wir das ganze am Tag vor dem Galungan-Fest, da essen die Balinesen traditionellerweise Schwein. Deswegen waren wohl so viele Schweinetransporter unterwegs....



Wie Paparazzi sind wir dem Mann im blauen T-Shirt hinterhergejagt, weil wir sein lebendes "Transportgut" ablichten wollten





Rituelle Waschung im Tirta Empul Tempel


Die 2-Liter Kokosnuss



Wassertempel Ulun Danu Beratan nördlich von Ubud

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