Panamá - Weihnachtsstimmung in der Karibik

Sonntag, 10. Februar 2019


"Weihnachten mag ich irgendwo am Strand sein." Da sind wir uns sofort einig, als wir im November mal darüber nachdenken, wo wir den 24.12. verbringen könnten. Ein paar Tipps von Bekanntschaften, ein Check der Flugverbindungen und schon ist die Wahl gefallen:
Bocas del Torro. Strand: Gibts. Palmen: Gibts auch. Auf dieser Inselgruppe in Panamá wollen wir am 24. Dezember sein. Genauer gesagt auf der Insel Colón. (Ja, unser Blog ist ziemlich weit hinten 😊).



Da wir dieses mal ohne Familie feiern, versuchen wir eine möglichst familiäre Unterkunft in Bocas zu buchen, wo am 24. gemeinsam gefeiert wird. Die Wahl fällt auf ein B&B, welches dem Kanadier Marco gehört und von ihm geführt wird.

Gemütlich!

Als wir im B&B ankommen, wissen wir sofort: Wir haben die richtige Unterkunft gebucht! "Welcome home", begrüßt uns Marco ganz herzlich. "Would you like a beer or a glas of wine? The first one is always on me. I invite you!" und er führt uns zum Kühlschrank, wo sich jeder selbst bedienen kann und einfach auf einer Tafel per Stricherlliste mitschreibt, was er sich genommen hat.

Im Gemeinschaftsbereich gibt es Hängematten und gemütliche Sessel, direkt mit Blick aufs Meer. Bücher und Zeitschriften liegen herum, es gibt Spiele. Ein Gast krault gerade Marcos zotteligen Pudel, Barrbra. Wohnzimmeratmosphäre pur. We love it!


Unser Zimmer. Direkt über dem Meer, da es ein Stelzenhaus ist

Mit E-Bikes zum Strand cruisen

"You should rent E-Bikes to go to the Playa Estrella. The way there is so beautiful, the nature is amazing", schwärmt uns Marco vor.

E-Bikes? Haben wir noch nie ausprobiert, hört sich aber lustig an. Da der Strand 15 Kilometer entfernt ist und wir nicht bei tropischer Hitze in die Pedale treten wollen, mieten wir uns ein Fat-E-Bike für einen Nachmittag.

Assistance Level: 3

Die ausgewanderte Amerikanerin vom Radverleih erklärt uns noch kurz, wie wir den elektronischen Antrieb beim E-Bike einstellen können.

Vorsichtig fahren wir die ersten Meter auf der Schotterstraße, doch mit der Zeit reizen wir den Motor aus und geben richtig Gas und stellen das Assistance Level auf die höchste Stufe.
Was für eine Gaudi das ist! Abwechselnd geht es bergauf und bergab, vorbei an grünem Regenwald.



Am Playa Estrella angekommen, holen wir uns einen frisch gepressten Papayasaft als Belohnung. Ein bisserl haben wir doch auch in die Pedale getreten.



Bananen, Bananen und noch mehr Bananen

Zeit für den Rückweg. "Hey, stopp mal kurz! Du musst ein Foto von dem Containerschiff für den Blog machen", schreie ich zu Roland nach vorne, als ich in der Ferne ein Chiquita-Schiff entdecke. Schließlich zählen Panama bzw. das Nachbarland Costa Rica zu einem der wichtigsten Bananenexporteure der Welt. Vielleicht ist eine Banane die bei euch Zuhause im Obstkorb liegt, auf diesem Frachter gewesen.



Weihnachten - Ein guter Start in den Tag

24. Dezember. Gegen halb neun stehen Roland und ich auf. Beide schenken wir uns eine Tasse Kaffee von der Thermoskanne ein und setzen uns zu den anderen Gästen zum Frühstückstisch. Dann kommen auch schon Nina und Oliver mit kleinen, selbstgebastelten Weihnachtshütchen zu uns. Die beiden sind quasi auch ausgewandert und leben jetzt bei Marco. Und helfen auch im B&B mit.
"Da, aufsetzen", sagt Nina und streckt mir das Hütchen entgegen. Mit dem roten Kegelchen am Kopf steigt gleich die Vorfreude auf Weihnachten.


Weihnachts-Drachenpudel
Marco, unser Host, grinst währenddessen schon ganz verdächtig. Er kommt zum Tisch und holt hinter seinem Arm eine Flasche Baileys hervor. "It's Christmas", sagt er mit einem schelmischen Lacher und kippt gleich mal einen ordentlichen Schluck in jede Tasse Kaffee, die am Tisch steht. Wir alle lachen und kosten gleich mal. "Wow, it's really strong", sagt jeder der Gäste nachdem er den ersten Schluck vom Kaffee genommen hat. Ein paar Minuten später fühlen wir uns auch schon leicht beschwipst....

Karibischer Rum-Punsch

"Hey, lass uns mal lieber für unsere Bowle einkaufen gehen, bevor alles ausverkauft ist", sage ich zu Roland während wir mit den anderen Gästen beim Irish-Coffee sitzen.

Unser Plan: Für das gemeinsame Weihnachtsessen mit Marco und den anderen Gästen eine Bowle zu machen. Und zwar eine karibische, schließlich sind wir ja grad eben dort.

Aber erstmal landet ein weiterer Schuss Baileys im Kaffee.
Zwanzig Minuten vergehen. Den Refill lehnen wir mal lieber ab. Leicht bedüselt machen wir uns auf den Weg ins Ortszentrum.

Für unsere karibische Weihnachtsbowle brauchen wir Ananas, frische Kokosnuss und natürlich Rum. Und Sekt oder Wein, falls es sowas auf der Insel zum Kaufen gibt.

Wir gehen ins Zentrum, auch auf den Straßen herrscht schon ausgelassene Weihnachtsstimmung. Laute karibische Musik dröhnt aus den Wohnhäusern und viel Rum fließt bereits bei den Einheimischen. Also sind wir doch nicht solche Alkies mit unserem Schuss im Frühstückskaffee 😆

Das Foto der Bowle sollte jetzt an dieser Stelle sein.
Irgendwie haben wir es leider verschwitzt, ein Foto von unserer karibischen Spezialität zu machen. Sie war sehr gut, sehr stark und außergewöhnlich. 

Auf gehts an die Vorbereitungen für das Weihnachtsessen

"We insist that we help you cooking", beteuern wir immer wieder Marco. Roland und ich möchten mit anpacken beim Weihnachtsessen und uns nicht einfach bedienen lassen.

Wir schnipseln Papaya, Zucchinis und Paprika. Zur Aufheiterung gibts im halbe-stunden-Takt einen Schnaps. Ja, hier trinken die Leute gerne.



Bratwürstel? Fehlanzeige.

stattdessen gibt es etwas nobleres, nämlich Languste. Und als Vorspeise Marcos Spezial-Papayasalat, mit extra viel Knoblauch.

Marco, der netteste und lustigste Host in ganz Panamá 😁



Zwei Spanierinnen, zwei Deutsche, zwei Amis, zwei Kanadier und zwei Schweden sitzen am Tisch. Ein schönes internationales Weihnachtsfest!

Besser hätte unser Weihnachten fern von der Heimat wohl nicht sein können. Zum Glück, sonst hätte ich wahrscheinlich schon ein paar Tränchen vergossen.



Oh, wie schön ist Panama!

Die Weihnachtsfeiertage und letzten Tage des Jahres verbringen wir mit Strand- und Inselhopping in Bocas del Torro. Es schaut so paradiesisch aus. Wir wissen nicht, ob es noch karibischere Strände gibt.


Cayo Zapatilla


Red Frog Beach

Cayo Zapatilla

Bluff Beach


"Unbedingt Zeit für eine Verlängerung einplanen"

hab ich in die booking.com-Bewertung von der Unterkunft geschrieben. Es ist uns wirklich schwer gefallen, uns von Marcos gemütlichem Zuhause, von ihm und seinen Mitbewohnern die in der Unterkunft mithelfen, zu verabschieden.



...und seine berühmten Pancakes vermissen wir. Die fluffigsten und besten auf der ganzen Welt. Sein Geheimrezept hat er uns nicht verraten, da müssen wir wohl nochmal hinfahren, um das aus ihm herauszuquetschen.



Feliciano - der Name ist Programm

Bevor es weiter nach Panama City geht, machen wir noch einen Zwischenstopp in Boquete. Das kleine Städtchen liegt etwas höher, daher ist es eine Spur kühler dort. Nach der vielen Hitze freuen wir uns mal wieder auf eine frische Brise. (Wir sprechen hier von 23 Grad).



Mit dabei habe ich die Handynummer von Feliciano, einem Guide der uns von einem niederländischen Pärchen auf den Bocas empfohlen wurde.

In Boquete angekommen, schreibe ich ihn an. Es dauert nicht lange, bekomme ich auch schon seine Antwort per WhatsApp. Morgen um halb 9 gehen wir mit ihm ein Stück vom Quetzal-Trail. Dem bekanntesten und angeblich schönsten Wanderweg von ganz Boquete.

Nächsten Tag parkt Feliciano mit etwas Verspätung vor unserer Unterkunft. Ganz ein alter Gentleman ist der 63-jährige. Er begrüßt mich gleich mit einem Busserl, einer festen Umarmung und einem unvorstellbar fröhlichen Lachen. Passt, da steht uns ein schöner Tag mit ihm bevor.

"Hört euch diese Stille an"

Feliciano erklärt uns die Tier- und Pflanzenwelt, wir essen wilde Brombeeren, schlingen uns von Lianen. Immer wieder bleibt der grauhaarige vor einem Baum stehen und sagt voller Bewunderung: "Seht euch diesen schönen Baum an. Ist das nicht ein Meisterwerk der Natur? Und diese Stille. Lauscht einmal. Kein Lärm ist zu hören."



Der 63-jährige ist noch voll fit. Zwar hab ich manchmal das Gefühl, dass wir oft stehen bleiben weil er eine Verschnaufpause braucht, aber den Lianen-Schwung wollte er uns unbedingt vorführen. Kurz hatte ich ja schon den Gedanken im Kopf, dass er runterfällt und sich alle Knochen dabei bricht.


"Keine Angst, die hält euch aus. Damit haben sich schon schwerere Touristen geschwungen", versichert er uns. Na gut, jetzt sind wir dran. Statt dem Tarzan-Schrei gibt's einen zünftigen österreichischen Jodler.


Ein Päckchen Kekse für jeden

Wir kommen an einer einfachen Hütte auf einem Hügel vorbei. Eine Familie lebt mit zwei Kindern dort. Mitten im Wald, das nächste Dorf ist einige Stunden Fußmarsch entfernt.
Ein Bub kommt gleich auf uns zugerannt und Feliciano beginnt, in seinem Rucksack herumzusuchen. Er fischt zwei Packerl Kekse heraus.
"Das ist für dich, und eins für deinen Bruder", sagt Feliciano zu dem kleinen Jungen und drückt ihm zwei kleine Packerl Butterkekse in die Hand. Voller Freude läuft der Bub wieder zurück zu seinem Zuhause.

"Ich nehme ihnen immer welche mit. Sie sind ja hier so abgeschieden. Da freut sich der Kleine immer riesig und wartet meist schon auf mich", erzählt uns Feliciano mit einem Strahlen im Gesicht.


Später kommen wir an einer Hütte vorbei, wo zwei Hunde angeleint sind. "Sie sind den ganzen Tag alleine hier. Die Bauern sind im Ort. Leider geben sie ihnen nie Wasser", und er holt für jeden Hund ein Schälchen Wasser. Sofort beginnen sie zu trinken. Für die Hunde hat er übrigens auch wieder Kekse dabei. Wahnsinn, was für ein unglaublich netter Mensch Feliciano ist denken Roland und ich uns....

Am Ende des Tages fahren wir noch kurz zu ihm nach Hause und er zeigt uns, wo er in seinem Garten Kaffee anbaut. Wir mahlen ein bisschen davon in seiner selbstgebauten Mühle und er schweißt uns noch ein Packerl Kaffee zum Mitnehmen ein.


Vollgepackt mit Felicianos selbst angebautem Kaffee, ungefähr fünfzehn Bananen und einer Riesenavocado aus seinem Garten kommen wir Abends wieder im Hostal an.

Feliciano - der Glückliche

Er heißt nicht nur der Glückliche, er ist es auch. Nach dem Tag mit Feliciano in der Natur fühlen Roland und ich uns sowas von...glücklich und zufrieden. Der fröhliche Panamese strahlt so viel Freude und Ruhe zugleich aus, den ganzen Tag haben wir mit ihm gelacht. Sein herzliches, ausgeglichenes Gemüt ist einfach nur ansteckend.

Tiere konnten wir leider nicht viele entdecken auf unserer Wanderung, aber am nächsten Tag schickt er mir noch ein Foto von einem Stacheltier, dass er mit einer anderen Gruppe gesehen hat. Diese nette Geste ist typisch Feliciano.

Mit einem ungefähr zwei Kilo schweren Plastiksack voller Obst aus Felicianos Garten steigen wir nächsten Tag in den Bus Richtung Panama City. Was diese Metropole in Zentralamerika außer dem berühmten Panamakanal noch zu bieten hat, gibts bald zum Lesen!


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