Acatenango und der brennende Vulkan "Fuego"

Montag, 4. Februar 2019

„Das Härteste, was ich jemals in meinem Leben gemacht habe“. „Der Aufstieg ist schrecklich, ich dachte mir ich muss sterben“. So in etwa lesen sich die Berichte über die Besteigung des Vulkans Acatenango (3.976 m) in Guatemala.

Mh, unsere Motivation ist nach dem Lesen solcher Blogbeiträge und Tripadvisor Bewertungen nicht gerade gestiegen. Wir fühlen uns an die Akklimatisierungs-Hikes in Nepal erinnert, wenn wir von pochendem Kopfschmerz während des Aufstiegs lesen. Beide können wir uns recht gut vorstellen, was bei so einem 4-5 Stunden Hike von 2.200 auf knapp 4.000 Meter auf uns zukommt.


Da Antigua umgeben ist von Vulkanen, ist für uns eins klar: Auf einen müssen wir rauf! Also gehen wir mal in eine Tour-Office und lassen uns beraten. 

„Der Acatenango ist DAS Highlight in Guatemala. Es ist eine einmalige Chance von dort aus den aktiven Vulkan "Fuego" zu beobachten. Nachts seht ihr, wie er Lava spuckt.“

Es dauert nicht lange, dann hat uns der Deutsche in der Tour-Office überzeugt. Da müssen wir also durch. Die knapp 1.800 Höhenmeter morgen raufgehen und eine Nacht auf 3.600 Meter campen. 

Wir bereiten alles vor, packen unsere Rucksäcke um, kaufen ein paar Snacks ein. Jeder muss mind. vier Liter Wasser den Vulkan raufschleppen. Das Wasser wird zum Kochen (was dankenswerterweise der Guide für uns übernimmt) und natürlich zum Trinken gebraucht. Für's Duschen müssen wir zum Glück kein Wasser raufschleppen. Dusche gibt's nämlich keine.

Alles ist fertig gepackt. Die Rucksäcke sind ordentlich schwer, haben sicher acht Kilo. Und die hängen sich an, wenn es steil bergauf geht.

Los gehts - oder doch nicht?

Nächsten Tag sind wir schon am Startpunkt der Wanderung.
Mit Benicio, unserem Guide und gemeinsam mit vier anderen wandern wir los Richtung Acatenango. Es dauert nicht lange, bleiben wir stehen. „Puedes traducir para mi?“ fragt mich Benicio. Er spricht nicht so gut Englisch, daher übersetze ich für unsere Gruppe von Spanisch auf Englisch.

Nach gerade einmal zehn Minuten ist der Australier unserer Gruppe ordentlich aus der Puste. Er schafft es nicht, seinen Rucksack raufzutragen. „Er kann sich einen Local zahlen, der ihm den Rucksack raufträgt. Das kostet 200 Quetzales. Oder ein Pferd, mit dem kann er dann raufreiten, das wären 300 Quetzales“ erklärt mir Benicio und ich übersetze es dem Australier, der schon ganz verschwitzt ist. Für umgerechnet 20 Euro bestellt er sich einen Guatemalteken, der seinen Rucksack zum Vulkan rauf schleppt. 

Tja, das ging ja schnell. Das ihm das nicht vorher klar war, dass sein Rucksack zu schwer ist wenn er bereits nach 100 Meter aufgibt? Der Rucksack sieht auch ordentlich schwer aus. Er hat wahrscheinlich einfach alles was er auf Reisen dabei hat mitgenommen. Wir sehen sogar Vorhängeschlösser an seinem Rucksack baumeln. Für was er die dort oben braucht?

Gut, für uns geht es weiter rauf. Es ist steil, rutschig, der Boden sehr uneben. Fest pressen wir unsere Wanderstöcke in den Boden, um uns den Vulkan hoch zu kämpfen. Es geht ordentlich rein und wir alle sind aus der Puste. Aber es ist machbar. Keinesfalls soooo schlimm, wie alle Blogger geschrieben haben.

Angekommen beim Basecamp

Immer wieder machen wir kurze Verschnaufpausen, bis wir nach vier Stunden am Basecamp ankommen. Ein Zelt mit Liegen, Schlafsack und vielen Decken erwartet uns. 


Aber das tollste ist die Lagerfeuerstelle. Sofort hocken wir uns in die Plastikstühle und starren gebannt auf den aktiven Vulkan „Fuego“, den wir vom Acatenango aus beobachten. 


„Jetzt, jetzt spuckt er!!!“ 

schreie ich zu Roland voller Begeisterung, als eine Rauchwolke aufsteigt. Gleichzeitig geht ein Jubeln durch die vielen Basecamps, die sich auf dem Hang befinden. Alle feiern dieses wahnsinnige Naturspektakel. Wie im Kino sitzen wir auf unseren Sessel und starren gebannt den Vulkan an, bis er wieder eine Eruption hat. Und das jubeln beginnt wieder von vorne.


„Das ist wie im Kino“

Stellen wir fest. Alle sitzen wir wie aufgefädelt in einer Reihe da und richten unseren Blick auf den Vulkan vor uns. Ungefähr alle 30 Minuten gibt er ein Lebenszeichen von sich. „Where are the popcorn?“ scherzen wir mit den anderen.

Es dauert nicht lange, hören wir auch schon ein Brutzeln im Kochzelt und es riecht ganz verdächtig nach Mais. Tatsächlich kommt Benicio mit einer Schüssel voller Popcorn raus. „Palomitas?“ fragt er in die Runde und alle sind voll begeistert.

Während wir die Popcorn futtern, haben wir immer den Vulkan im Blick und beobachten, wie sich die Wolken um den Gipfel schieben.


Es wird dunkel und es kühlt ordentlich ab. Einer nach dem anderen verzieht sich ins Zelt und kommt dick eingepackt wie ein Michellin-Männchen heraus. Zwiebellook zum warm bleiben auf 3.600 Meter.

Von der Touroffice haben wir uns noch diverse Jacken und Fleecezeugs ausgeliehen. Die haben zwar so gerochen als wären sie nicht das erste mal auf dem Acatenango gewesen und dazwischen nie gewaschen worden....aber was solls. Erfroren sind schon viele erstunken weniger.

Benicio merkt, dass wir ziemlich verfroren sind und fängt an, ein Lagerfeuer zu machen. 
Wie romantisch! Wir sitzen am Hang des Acatenango, blicken direkt auf einen aktiven Vulkan, wärmen unsere verfrorenen Zehen am Lagerfeuer. 

„Do you like hot choclate?“ 

fragt unser Guide in die Runde. Alle sechs Gesichter strahlen.
Als Benicio ein paar Minuten später mit einem Topf heißer Schokolade aus dem Zelt herauskommt und auch noch ein Sackerl Marschmallows in der Hand hat, geht ein lautes wohooo durch die Runde. Wir freuen uns wie bei einem Kindergeburtstag.

Sofort stecken wir die Marschmallows auf die Spieße und halten sie ins Feuer. Roland kann es gar nicht erwarten, das erste mal in seinem Leben in ein Marshmallow reinzubeißen. In Österreich hängt da ja normalerweise eine Knacker am Spieß.



Mit dem Wetter haben wir kein besonderes Glück, deswegen fällt die Gipfelbesteigung des Acatenango zum Sonnenuntergang für uns aus. Vom Basecamp auf 3.600 Meter wären es noch auf 3.976 Meter hochgegangen. Naja, müde sind wir eh alle vom bisherigen Aufstieg. 

„Oh my god!!!!!“

Wir sitzen alle gemütlich ums Lagerfeuer, tratschen und schlürfen unsere heiße Schokolade als plötzlich Klara, die Schwedin „oh my god!!!“ schreit und auf den Vulkan zeigt. Er spuckt Lava!

Glühend rot leuchtet sie in der Nacht, alle springen wir sofort von unseren Sesseln auf und starren gebannt auf die Eruption. Wir sind so fasziniert von diesem Naturschauspiel, dass wir kein gescheites Foto hinkriegen. 



Als wir uns kaum mehr erwärmen können, gehen wir in unser Zeltlager schlafen. Oder versuchen es zumindest.

Nachts hören wir ein lautes Krachen wenn der "Fuego" wieder spuckt. Wir spüren, wie sich die Zeltplane durch die Druckwelle bewegt. Unglaublich, das so ein Naturspektakel ein paar hundert Meter von uns entfernt stattfindet. 

Nächsten Morgen gibt es noch Frühstück, bevor wir im dichten Nebel mit dem Abstieg beginnen. Es ist einfach eine unvergessliche Tour, die wir jederzeit wieder machen würden. 


Nach dem Abstieg geht es wieder zurück nach Antigua Guatemala für uns.

Fotos aus dieser wunderschönen Kolonialstadt erwarten euch im nächsten Beitrag. Und wir berichten euch von einer Kaffeeplantage, die wir in Antigua besucht haben. Guatemala ist nämlich weltberühmt für seinen exzellenten Kaffee.

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