Mit der Fähre gehts zu unserem letzten Stopp in Malaysia. Die Insel Langkawi nahe der thailändischen Grenze. „Today is public holiday. First day of Ramadan“ erklärt uns der Taxler, als er uns vom Hafen zu unserer Unterkunft fährt. Alles wirkt etwas ausgestorben,
die Plastikstühle in den Restaurants stehen auf den Tischen, bei vielen Shops sind die Jalousien runtergelassen. „Are there many Tourist at the moment?“ fragen wir ihn. „No, it’s low season“. Na gut, haben wir mehr von der Insel für uns, haben wir uns gedacht. Und morgen, wenn kein Feiertag ist, wird der Insel schon wieder etwas mehr an Leben eingehaucht werden. Denken wir. Hoffen wir.
Auf Google Maps sehen wir, dass wir bald bei unserer Unterkunft, dem Zackry Guesthouse, ankommen. Die lange Straße die zum Hostel hinführt, ist links und rechts von Restaurants und kleinen Mini-Marktes gesäumt. Alles zugesperrt. Dazwischen ein paar Hotel-Resorts. Ein Fragezeichen in unseren Köpfen schleicht sich ein, wo wir denn wohl heute Abend was zum Essen herkriegen? Wir sind schon ein bisschen unrund um nicht zu sagen HANGRY (hungry + angry) geworden, aber in der Unterkunft haben wir zum Glück einen großen Getränke- und Essautomaten entdeckt. Cola, Bier, Müsli, Milch, ein paar Dosen Thunfisch und Bohnen - für den Notfall sind wir versorgt. Gegen Abend schauen wir nochmal bei den Nachbar-Restaurants vorbei. Einige wenige haben zwar offen, aber es herrscht gähnende Leere. In der Tiefkühl-Schütte vor dem Restaurant liegen zwei mickrige Fische drinnen. Die frischesten Tage haben sie definitiv hinter sich. "Seit wann die Fische da wohl schon so liegen? Da hat sicher schon eine Woche keiner mehr was bestellt, so ausgestorben wie das hier ist." Also kein Risiko eingehen und ab zum Mini-Supermarkt.
Supermärkte in Asien müsst ihr euch vorstellen wie bei uns auf einer Tankstelle. Es gibt nur Junkfood, Kekse und Chips. Plastikessen in Reinkultur. Das was noch am ehesten an "gscheites Essen" wie man so schön sagt rankommt, sind Konservendosen und Toastbrot. Also gibt's heute abend Dosenbohnen mit Spiegelei. Wir hätten ja niemals gedacht, dass wir in Südostasien JEMALS selbst kochen müssen, hier gibt es IMMER irgendwo ein gutes Lokal oder Streetfood. Hmm, so siehts also aus wenn low-season und Ramadan zusammentreffen. "Gut, morgen nehmen wir mal einen Roller und erkunden die Umgebung…und irgendwo soll es ja einen Nightmarket geben."
Unsere Rettung. Der Nightmarket.
Nächster Tag. Wir düsen mit unserem Roller los, in der Hoffnung dass heute wieder ein normaler Tag ist und alle Läden offen haben. Das Bild ist das gleiche wie am Vortag. Runtergelassene Rollläden. Versperrte Ladentüren. Und wo bitte sind hier alle Leute? Klar, Ramadan, der muslimische Fastenmonat dauert halt nicht nur einen Tag. Aber nach Sonnenuntergang dürfen auch die Muslime schlemmen. Und wir mit ihnen. Wir setzen daher alles auf den Nachtmarkt von dem wir gelesen haben. Der wird ja hoffentlich doch stattfinden....
Das hat er zum Glück. Jeden Abend findet der Markt an einem anderen Ort auf der Insel statt. Dort kann man ausschließlich Essen und Getränke zum Mitnehmen kaufen. Da fast jeder Abend gleich ausgeschaut hat, gibts heute eine Fotostory zu unserem Nightmarket-Shopping. Dort war das Essen total lecker, abwechslungsreich und super günstig. Und wir hatten ein fixes Ziel jeden Abend.
Schritt 1: Im Internet auskundschaften, wo der Nightmarket heute auf der Insel stattfindet. Danach den Tagesplan ausrichten. Da Langkawi etwas kleiner als Wien ist, können wir alle Strände und Touri-Spots gut mit unserem Roller erreichen. Der Nightmarket findet im Norden Langkawis statt, bedeutet wir unternehmen etwas im Norden. Zum Beispiel einen Wasserfall ansehen und beim Rückweg das Abendessen am Nightmarket besorgen.
Schritt 2: Das richtige Timing. Ja nicht zu spät beim Markt sein, sonst gibts nicht mehr so viel Auswahl und die besten Gerichte sind schon vergriffen. Er heißt zwar Nachtmarkt, aber den Markt nutzen die Einheimischen, um dort das Abendessen für ihre Familie zu kaufen. Da Ramadan ist und die Muslime mit dem Sonnenuntergang kurz nach sieben Uhr ihr Fasten brechen, war um sieben schon gähnende Leere am Markt. Das erste Mal waren wir natürlich etwas spät dort, gegen 19:00 Uhr. Dafür durften wir uns bei einem Nachspeisen-Stand gratis nehmen was wir wollten, da der Verkäufer schon zusperren wollte. Roland hat natürlich ordentlich zugeschlagen 😆
Schritt 3: Jetzt wirds schwierig: Was will ich alles probieren? Zum Glück sind die Portionen recht klein, dass wir locker zwei Hauptgerichte verdrücken können. Nachspeisen sind ein etwas komplizierteres Thema. Sie können entweder sehr gut sein, oder eher seltsam. Kokospudding mit frittierten Zwiebeln war nicht so unseres.
Schritt 4: Ein nettes Plätzchen zum Essen suchen, denn alle Getränke und Gerichte gibt es nur als Take Away. Wo fährt man da hin wenn man auf einer Insel ist? An den Strand natürlich! Wir sind Meister geworden im Curries aus kleinen Plastiktüten essen ohne uns anzupatzen 😄Gemeinsam mit Ameisen die über unser Essen krabbeln und Strandkatzen die solange miauen bis sie auch ihren Anteil bekommen, sehen wir zu wie die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwindet.
Ein Strand für uns alleine
„Der Nightmarket ist heute im Norden. Suchen wir uns einen Strand dort zum Baden?“ sage ich zu Roland während ich die Karte von Langkawi beim Frühstück raushole. „Da sind ein paar Strände eingezeichnet. Gehören zwar zu Hotelresorts, aber wir finden bestimmt einen wo wir reinhüpfen können.“ Und los geht die Suche nach einem schönen Strand, wo man auch ohne passendes Hotelarmbändchen baden darf. Einige Umwege und Hotelwachmänner später sagt ein netter Hotelsecurity eeeendlich den erlösenden Satz: "Yes, you can go to this beach. You just have to order something at the Hotelbar." Und er öffnet die rot-weiß gestreifte Schranke für uns. Roland gibt Gas und wir fahren durch den riesigen Hotelgarten immer weiter Richtung Meer.
An der Hotelbar kommen wir uns richtig schmuddelig vor. Voll verschwitzt, die Haare vom Helm zerdrückt sitzen wir neben einem perfekt gestylten, schwulen Pärchen in blütenweißen, gebügelten Poloshirts. Beim Blick in die Speisekarte ist uns klar, wir sind in einem Luxusresort gelandet. Es ist so ruhig hier, so entspannend. Einige Hotelgäste liegen in ihrer Strandliege, lesen ein Buch. Gefühlt zwanzig Mitarbeiter schwirren ständig um die Gäste herum, servieren ihnen kühle Drinks, bringen ihnen Erfrischungstücher. Roland und ich schauen uns an: "Glaubst machen wir jemals so einen Urlaub?" "Mh, weiß nicht. Irgendwie passt das nicht zu uns. Aber ausschauen tut's schon sehr relaxt." Wir können es nicht lassen und haben mal nach den Zimmerpreisen gegoogelt. Eindeutig nicht unsere Preisklasse 😉
Nach zwei Iced Cappuccino an der Hotelbar gehen wir ein paar Meter den Strand entlang und finden einen menschenleeren Abschnitt. Wir hüpfen ins Meer. Endlich eine Abkühlung. Ich sehe nur Rolands Kopf aus dem Meer herausragen, als er feststellt „Das ist unser Privatstrand“. Keiner außer uns ist baden, es ist total ruhig, die Hotelgäste chillen lieber am Pool. Es gibt auch keine Liegen hier. Ewig planschen wir im Meer, sinnieren über unsere Reise, hören Musik und machen ein paar Fotos. Und wir videophonieren mit unseren Eltern - die sich riesig darüber gefreut haben 😁
Nach zwei Iced Cappuccino an der Hotelbar gehen wir ein paar Meter den Strand entlang und finden einen menschenleeren Abschnitt. Wir hüpfen ins Meer. Endlich eine Abkühlung. Ich sehe nur Rolands Kopf aus dem Meer herausragen, als er feststellt „Das ist unser Privatstrand“. Keiner außer uns ist baden, es ist total ruhig, die Hotelgäste chillen lieber am Pool. Es gibt auch keine Liegen hier. Ewig planschen wir im Meer, sinnieren über unsere Reise, hören Musik und machen ein paar Fotos. Und wir videophonieren mit unseren Eltern - die sich riesig darüber gefreut haben 😁
On the road in Langkawi
Auch die anderen Tage verbringen wir mit Beach-Hopping und Sightseeing. Oder wir versuchen es zumindest. Am Weg zu einem Strand der ca. eine halbe Stunde von unserer Unterkunft entfernt liegt, fängt es plötzlich wie aus Eimern zu schütten an. Nix neues für uns, kurz unterstellen und meist hört es schnell wieder auf. Aber leider nicht an diesem Tag. Nachdem wir mal eine Stunde mit unseren E-Reader gelesen haben, macht der Himmel etwas auf. Also schnell aufs Moped und weiterdüsen. Nach ein oder zwei Kilometern war wieder unterstellen angesagt. Dann wieder ein paar Kilometer fahren. Wieder Regen. Irgendwann ist es uns zu blöd und wir drehen um. Angekommen in der Unterkunft, war strahlend blauer Himmel und kein einziger Tropfen Regen ist hier gefallen. Wieviele Klimazonen gibt es auf dieser kleinen Insel bitte?![]() |
Achtung, Wildwechsel! |
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Mit der Skycab-Gondel gings rauf zur Skybride von Langkawi |
Mit der Skycab-Gondel gehts am letzten Tag rauf zur Skybridge. Vom höchsten Punkt der Insel haben wir eine super Aussicht über Langkawi. "Warte mal, das 3D-Museum ist bei unserem Ticketpreis dabei. Lass uns kurz mal reinschauen" hab ich zu Roland gesagt, als wir mit der Gondel wieder herunten angekommen sind. Zuerst dachten wir uns ok, das ist nur was für Kinder (ist es in erster Linie auch). Aber dann ist es plötzlich ganz lustig geworden, als wir die ersten Fotos am Display begutachten. Es sieht doch täuschend echt aus, wie ich die Welle reite?
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Game of Thrones: Noch kurz den Drachen besiegen und dann die Prinzessin (unten) ins Märchenschloss geleiten. |
Unser erster Mangrovenbaum ist gepflanzt
"In Langkawi liegt das älteste Gebirge Südostasiens, und da seids ihr jetzt grad alle. Ist das nicht genial?“. Begeistert und voller Tatendrang hat uns Peter Höfinger angeschaut. Der ausgewanderte Niederösterreicher ist DER Naturguide auf Langkawi. Auch der ARD hat bereits Naturdokus mit ihm gedreht. Er ist ein wandelndes Lexikon und kennt die faszinierende Tier- und Pflanzenwelt von Langkawi wie kein anderer.
Deshalb sitzen wir an einem heißen, schwülen Nachmittag mit vier anderen Touris aus Deutschland in einem kleinen Boot. Gemeinsam mit dem Naturkenner wollen wir die tropischen Wälder der Insel erkunden. Mit großen Augen und Ohren hören wir Peter gespannt zu, wie die Berge und Natur die direkt vor uns liegen in Millionen von Jahren entstanden sind. Während Peter erzählt, wirft der Kapitän den Motor an. Wir schippern mit unserem Boot einen Flussarm entlang, umgeben von dichten Mangrovenwäldern.
„Wisst ihr denn, worum es heute geht?“ fragt Peter wie ein Lehrer in die Runde mit großen Augen und einer Karte in der Hand. „Um Mangroven“ antworten wir alle noch etwas schüchtern. Schließlich haben wir ja die Mangroventour bei ihm gebucht. „Richtig. Wisst ihre denn was eine Mangrovenpflanze ist?". Mh....Stille herrscht. So richtig erklären konnte das keiner. Peter lacht laut auf, dann beginnt er zu sprechen, als würde er eine mystische Geschichte einer Gruppe von Kindergartenkindern erzählen. „Diesen dichten Mangrovenwald, an dem wir gerade vorbeifahren, hat noch niemals ein Mensch betreten. Könnt ihr euch das vorstellen, dass es noch solche Flecken auf der Erde gibt? Drei Meter neben uns war noch nie ein menschlicher Fussabdruck.“ Alle schauen wir verblüfft aus dem Boot in das dichte Grün vor uns. Unglaublich. Gespannt folgen wir jedem seiner Worte.
Mangroven sind Wunderpflanzen
Denn sie liefern uns alles was wir brauchen: Luft zum Atmen, und zwar mehr als ein „normaler“ Wald. Daher sind Mangroven der wichtigste Wald für uns Menschen. Sie machen zwar weniger als 1% der gesamten tropischen Wälder aus. Sie haben aber einen enormen Einfluss auf das Weltklima, da sie mehr Kohlendioxid speichern als etwa ein Regenwald oder Nadelwald.Was total faszinierend ist: Mangroven wandeln Salzwasser in Süßwasser um. Diese System hat sich der Mensch von den Mangroven abgeschaut. Dank dieser "Umkehrosmose" können wir aus Salzwasser Trinkwasser herstellen.
Und trotz dieser wichtigen Eigenschaften sind diese Wälder nicht vor uns Menschen sicher. Traurig erzählt uns Peter wie diese Wälder hektarweise abgeholzt werden um Platz für Shrimpsfarmen zu machen. Damit wir im Westen tiefgefrorene Shrimps in den Supermärkten vorfinden.
Was Mangroven auch von anderen Bäumen unterscheidet: Der fertige Setzling wächst direkt am Baum. Weil diese Pflanze so wichtig ist für uns Menschen und unser Klima, pflanzen wir heute einen Mangrovenbaum. Ähm sorry, laut Peter "bringen wir einen Mangrovenbaum zur Welt". Eine Lebendgeburt.
Heute bringen wir ein Kind auf die Welt. Und wir tauschen die Rollen. Alle Männer bitte vortreten.
Roland wagt sich nach vorne und zieht ganz vorsichtig die braune Kapsel vom Setzling weg. An dieser Kapsel hing er am Baum. Darunter versteckt sich ein kleiner Trieb. Peter untermalt die Szene und gibt Atemanweisungen an Roland. Schließlich ist es ja eine Geburt, die Roland gerade durchmacht. Sekunden später ist unser Mangrovenbaby geboren. Wir entscheiden uns für den Namen Hubert. Was besseres ist uns spontan nicht eingefallen. Ist zumindest ein typisch österreichischer Name. "Jetzt Hosen hochkrempeln, es ist noch immer Flut. Wir müssen die Setzlinge in den schlammigen Boden stecken", verkündet Peter als alle Männer vollkommen schmerzfrei ihr Mangrovenbaby auf die Welt gebracht haben. "Gibts hier eh keine Krokodile?" fragen die Männer, bevor sie aus dem Boot hüpfen. "Ja, es wimmelt nur so", scherzt Peter und alle lachen.
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So sieht es aus, wenn die Setzlinge bereits etwas getrieben sind. |
Peter schafft es, auch in einen Naturmuffel absolute Begeisterung für die Wunder der Natur zu erwecken. Wieso ist er eigentlich nicht Lehrer geworden? Wir haben diesen Biologie-Nachmittag total spannend gefunden und hoffen, dass unser kleiner Hubert inzwischen schon gewachsen ist! Nach der Tour gings natürlich wieder zum Nachtmarkt 😉
Aja, und weils jeden Tag ein bisschen regnet und nicht so viel zum Tun gibt (da Ramadan) schreiben wir ganz fleißig Reiseberichte für euch auf Langkawi:
Nach einer Woche verlassen wir die malaysische Insel. Mit Regenschirm gehen wir zu unserem Flieger der uns nach Kuala Lumpur zurückbringt. Von da geht's weiter in ein neues Land. Dorthin, wo wir eigentlich unsere Reise starten wollten. Mehr dazu im nächsten Blogpost.
Nach einer Woche verlassen wir die malaysische Insel. Mit Regenschirm gehen wir zu unserem Flieger der uns nach Kuala Lumpur zurückbringt. Von da geht's weiter in ein neues Land. Dorthin, wo wir eigentlich unsere Reise starten wollten. Mehr dazu im nächsten Blogpost.
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